Nur langsame Konjunkturerholung erwartet
Stimmungslage europäischer Unternehmer unklar

Die Stimmungslage der europäischen Unternehmer ist im Mai weiter unklar geblieben und gibt daher wenig Hinweise auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung.

Reuters BERLIN. Während der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend gestiegen ist, blieb das französische Stimmungsbarometer unverändert und der italienische Index sank gar auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. Volkswirte rechnen nach den Daten weiterhin nur mit einer langsamen Konjunkturerholung der Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte. Da auch keine Inflationsgefahren erkennbar seien, werde die EZB bei ihrem nächsten Ratstreffen am 5. Juni zur Wachstumsankurbelung die Leitzinsen um mindestens 25 Basispunkte senken, sagen die Experten am Mittwoch nahezu übereinstimmend.

Hatte Anfang der Woche der überraschende Anstieg des Ifo-Indexes für die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone auf 87,6 von 86,6 Zählern den Konjunkturhoffnungen an den Finanzmärkten noch neue Nahrung gegeben, wurden diese am Dienstag und Mittwoch von den französischen und vor allen den italienischen Daten wieder etwas gedämpft. So sank der italienische Geschäftsklima-Index überraschend auf 90,0 Zähler von 90,5 Punkten im April und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Januar 2002. In Frankreich ergab sich immerhin eine Stabilisierung bei 93 Punkten nach einem zweimonatigen Rückgang.

Die uneinheitlichen Daten zeigen Analysten zufolge, dass die Erleichterung der Unternehmer über das Ende des Irak-Kriegs von den Sorgen über die trüben Wachstumsaussichten und die negativen Folgen des starken Euro für die Exportwirtschaft gedämpft wurde. Die allgemeinen Konjunkturaussichten der Unternehmer verbesserten sich zwar in allen drei Ländern im Mai leicht von den im Vormonat erreichten Tiefstständen. Doch der Produktionsausblick der Manager für ihre Geschäfte, der Aufschlüsse über deren künftiges Investitionsverhalten gibt, sank etwa in Frankreich weiter. "Dies bedeutet, dass die Unternehmer weiter äußerst zurückhaltend planen", sagte Emmanuel Ferry, Volkswirt von Exane.

Nach den Stimmungsdaten rechnen viele Volkswirte für das laufende Quartal wie bereits in den ersten drei Monaten weiter mit einer stagnierenden Wirtschaft in der Euro-Zone. "Doch eine Rezession wird wohl vermieden werden können", sagte Michael Schubert von der Commerzbank. Die Erwartung einer allmählichen Erholung im zweiten Halbjahr sei von den Daten zumindest nicht enttäuscht worden. Am Montag wird der Geschäftsklima-Index für die gesamte Euro-Zone veröffentlicht.

Keine Änderung ergibt sich nach Einschätzung der Volkswirte auch an den Zinssenkungserwartungen. "Die EZB hat die Märkte auf eine geldpolitische Lockerung am 5. Juni vorbereitet", sagte Schubert. Es seien keine Inflationsgefahren am Horizont erkennbar, so dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Schlüsselzins wahrscheinlich um 25 Basispunkte auf dann 2,25 % reduzieren werde. Auch an den Finanzmärkten wird fest mit einer Zinssenkung am 5. Juni gerechnet, nachdem zuletzt mehrere EZB-Ratsmitglieder auf die günstigen Preisaussichten für die Euro-Zone verwiesen und von Spielraum für die Geldpolitik gesprochen hatten.

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