Nur mit Technik lässt sich heute kein Auto mehr verkaufen
Design wichtigster Wettbewerbsfaktor

Seit die Technik unter dem Blech immer ähnlicher wird, entscheidet das Aussehen über den Erfolg eines Autos stärker denn je. Infolgedessen sind Designer zu Stars der Fahrzeugbranche avanciert.

pha DÜSSELDORF. Designer in einem Automobilunternehmen entscheiden immer mehr über Erfolg oder Misserfolg eines Modells. Und weil Autodesign Emotionen weckt, Emotionen beim Fahrzeugkauf aber eine immer wichtigere Rolle spielen, fällt den Blechgestaltern eine entscheidende Bedeutung zu. Automobildesigner müssen gute Psychologen sein, und sie müssen den Geschmack der Verbraucher Jahre voraus ahnen. Eine Fehleinschätzung kann fatale Folgen haben.

Entsprechend werden Designer am Markt gehandelt. Um den Italiener Walter de Silva vor zwei Jahren von Alfa Romeo zu Seat zu locken, musste VW tief in die Tasche greifen. Eine andere Lichtgestalt der Styling-Szene, der Franzose Patrick le Quement, durfte bei Renault sogar auf dem Vorstandssessel Platz nehmen. Beide Designer haben in den vergangenen Jahren die Branche mit ihren Entwürfen in Atem gehalten, jeder auf seine Weise.

Für de Silva galt es, Seat aus der Profillosigkeit herauszuholen und der Marke gemäß ihrer angepeilten Positionierung mehr Sportlichkeit ins Blech zu stanzen. "Vor allem aber sollte Seat besonders für junge Automobilisten emotional aufgeladen werden", erklärt der neue Vorstandschef Andreas Schleef. De Silvas gestalterischer Einfluss wurde auf die gesamte sportliche Markengruppe bei VW (Audi, Seat, Lamborghini) ausgedehnt.

Renaults Chefstratege in Sachen Design ist noch einen Schritt weiter gegangen. Bei der Gestaltung des Vel Satis und des Avantime hat Patrick le Quement nahezu alle Konventionen über Bord geworfen und den Versuch unternommen, die Oberklasse neu zu interpretieren. Er gab den Modellen jenen Schuss Avantgardismus mit auf den Weg, für den bis in die 70er-Jahre allein Citroën stand. Auch der Studie Talismann, gestaltet als hypermoderner Grantourismo-Sportwagen, werden Chancen auf eine Serienfertigung nachgesagt. Renault, so viel steht fest, ist auf der Suche nach einer ganz neuen Klientel - abseits vom Massengeschmack, weniger konservativ, aber nicht weniger anspruchsvoll.

Wie sehr die Konzernverantwortlichen Design als entscheidenden Wettbewerbsfaktor erkannt haben, sieht man bei nahezu allen Marken. Seit der Kooperation mit Renault ist bei Nissan der Trend zur europäischen Linie unverkennbar. Entstanden ist sie in Geretsried bei München unter der Leitung von Stéphane Schwarz. Das Design des Primera gilt als bahnbrechend für den drittgrößten japanischen Hersteller.

Nicht minder radikal soll der formale Kulturwandel bei Mitsubishi vollzogen werden. Ex-Mercedes-Gestalter Olivier Bouley bringt den fernöstlichen Daimler-Ableger derzeit stilistisch auf Vordermann. Die Studie CZ 2 (als Nachfolger des kleinen Colt geplant) gibt einen ersten Vorgeschmack auf die künftige Formensprache der Marke mit den drei Diamanten im Kühlergrill.

Auch auf Saab-Chefdesigner Michael Mauer, vormals wie Bouley in Mercedes-Diensten, lastet erheblicher Druck. Das äußere Erscheinungsbild der Schweden-Marke muss künftig unverwechselbar sein.

Auch Hersteller wie BMW wagen Ungewöhnliches. Seit dem Erscheinen des neuen 7er-Modells mit "seiner Ansammlung von unkoordiniertem Blech" (VW-Chefdesigner Hartmut Warkuß) liefern die Bayern Gesprächsstoff. Beim 5er-Nachfolger und dem Z 4 zeigt Chefdesigner Chris Bangle wieder mehr Disziplin.

In den 90er-Jahren galt für viele das Audi-Design als vorbildlich. Das Unternehmen zeigte besonders mit dem TT, wie sich das Image einer Marke umkrempeln lässt. Sogar dem von puristischer Klassenlosigkeit geprägten VW-Design steht ein Wandel bevor. Der Wechsel von Peter Schreyer, ein Jahrzehnt für das Audi-Styling verantwortlich, an die Spitze der VW-Designabteilung soll neues gestalterisches Potenzial freisetzen.

Quelle: Handelsblatt

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