Nur noch 1,68 Millionen sehen Bundesliga
Fußball-Fans zeigen "ran" die rote Karte

Der Massenboykott der Fernsehzuschauer gegen die Bundesliga-Sendung "ran" um 20.15 Uhr droht den deutschen Fußball in eine tiefe Krise zu stürzen. Nur noch 1,68 Millionen Fans wollten am Samstag die Zusammenfassung des 3. Spieltages sehen. Beim dritten Minusrekord in Serie sackte der Marktanteil für den Privatsender SAT.1 auf kaum fassbare 7,2 %.

dpa/afp BERLIN/HANNOVER. Der Privatsender SAT.1 will nach dem neuen Minusrekord bei den Einschaltquoten für die Fußball-Sendung "ran" noch in dieser Woche das Gespräch mit der Kirch-Gruppe suchen. "Offenbar können sich die Zuschauer schwerer als angenommen mit der neuen Sendezeit identifizieren", sagte SAT.1-Sprecherin Christina Faßler am Sonntag. Am Samstag wollten nur 1,68 Millionen Menschen die Sendung sehen, was einem Marktanteil von 7,2 Prozent entspricht. Die Quote sei weit unter den Erwartungen geblieben, räumte Faßler ein.

Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß forderte angesichts der alarmierenden Zahlen die Vertreter von Bundesliga und Fernsehen zu einer Sofortlösung bis Weihnachten auf. Für ihn steht das ganze Renommee des Fußballs auf dem Spiel.

Auch bei SAT.1 schrillten am Sonntag die Alarmsirenen. Eine kurzfristige Verlegung der Sendung auf den früheren Sendeplatz 18.30 Uhr scheint nicht mehr ausgeschlossen, zumal in der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer der Marktanteil auf 7,4 % abrutschte. Als Vorgabe war an 18 % gedacht.

"Tatsache ist, dass die Zuschauer das im Moment nicht annehmen und darüber muss man sich Gedanken machen. Es hat keinen Sinn, seinen sturen Kopf durchzusetzen und auf Teufel komm raus zu sagen: Friss oder stirb", sagte Hoeneß in der "Welt am Sonntag". Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die den von der Kirch-Gruppe gewünschten Sendeplatz 20.15 Uhr als "zeitnah" abgesegnet hat, spielt trotz der atemberaubenden Quoten-Talfahrt auf den Faktor Zeit. "Wir müssen Ruhe bewahren, Nerven behalten und dürfen nicht in Hektik verfallen. Wir werden aber zu gegebener Zeit mit der Kirch-Gruppe Gespräche führen", sagte DFL-Chef Werner Hackmann am Sonntag.

Auf einen Termin für das überfällige Treffen wollte sich der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV nicht festlegen. Das Gespräch wird wahrscheinlich während der zweiwöchigen Bundesliga-Pause vom 20. August bis 7. September stattfinden. Der Druck auf die Kirch-Gruppe und auf die DFL durch enttäuschte Vereinssponsoren, Werbekunden von SAT.1 und durch die Vereine steigt. "Die Einschaltquote, die wir jetzt erreicht haben, hat uns nicht gefallen. Man kann aber nicht im Hauruck-Verfahren eine Änderung herbeiführen. Über Konsequenzen muss man sich mit unserem Partner unterhalten", signalisierte DFL - Geschäftsführer Wilfried Straub Handlungsbedarf.

Viele "ran"-Redakteure sind ebenso wie Moderator Jörg Wontorra machtlos und frustriert. Ihre mit großem Einsatz zusammengestellte Sendung erwies sich erneut als Megaflop, obwohl die Konkurrenz keine ausgesprochenen Knüller dagegen setzte. Doch der ARD-Spielfilm "Auf der Jagd" (5,29 Millionen) und ZDF-Kommissar Stubbe (5,17) hängten "ran" um Längen ab. Das ZDF-Sportstudio um 22.15 Uhr lockte 2,7 Mill. Zuschauer an. Der Marktanteil lag mit 15,7 % mehr als doppelt so hoch wie bei SAT.1. Das Salzburger Wettbüro Intertops gab beim richtigen Tipp auf die niedrige "ran"-Einschaltquote bei 100 DM Einsatz 300 DM heraus.

In Mitarbeiterkreisen des Kirch-Senders SAT.1 wird spekuliert, dass der mächtige Konzernchef Leo Kirch die Sendung "ran" an die Wand fahren lässt, um die Bundesliga-Rechte an andere Free-TV-Sender verkaufen zu können. Dafür kommen vor allem ARD und das ZDF in Frage. Dann könnte das so genannte "italienische Modell" mit einer kompakten und maximal 30 Minuten langen Zusammenfassung um 18.00 Uhr (ARD) und einem längeren Bundesliga-Magazin um 22.00 Uhr (ZDF) auch in Deutschland greifen. Allerdings müssten ARD/ZDF bereit sein, die teuren Rechte zu dem von Kirch gewünschten Preis zu kaufen. Zur Zeit zahlt Kirch für die Rechte im Free-TV und Pay-TV pro Saison im Schnitt 750 Mill. DM an den DFB und die DFL.

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