Nur noch 15 Sekunden zurück
Ullrich fährt Armstrong erneut davon

Die Tour de France wird immer spannender und Jan Ullrich immer besser. Nach seinem überragenden Erfolg beim Zeitfahren machte der 29-jährige Olympiasieger am Samstag auf der ersten von vier Pyrenäen-Etappen wiederum 19 Sekunden auf Lance Armstrong gut. Als Etappenzweiter hinter dem Spanier Carlos Sastre sicherte sich Ullrich nach 197,5 Kilometern in Ax-3 Domaines im Ziel 12 Sekunden Zeitgutschrift. Der viermalige Toursieger aus Texas, dessen Vorsprung an der Spitze des Gesamtklassements auf 15 Sekunden zusammenschrumpfte, ging als Tagesvierter leer aus.

HB/dpa AX-3 DOMAINES. Auf den letzten Kilometern hatten sich die beiden Tour-Dominatoren ein gnadenloses Duell geliefert, das Ullrich als knapper Sieger beendete. "Ich bin froh, dass Jan keine Angst hatte und selbst attackierte", lobte Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage seinen Schützling, der schon auf der nächsten Etappe die Gelegenheit bekommt, Armstrong das Gelbe Trikot zu entreißen.

"Ich glaube, das kann morgen passieren. Jan hat jetzt Blut geleckt und gesehen, dass das Monument Armstrong wackelt. Ich glaube, seine Form ist sogar noch besser als 1997, und wenn er in Loudenvielle Gelb holen sollte, gibt er es bis Paris nicht mehr her", sagte Ullrichs alter Team-Kollege Udo Bölts (Heltersberg), der als deutscher Rekordhalter seine 12. Tour bestreitet und jetzt für den Bianchi-Konkurrenten Gerolsteiner unterwegs ist. Ullrich selbst hofft, dass die gesundheitlichen Probleme nicht wiederkommen. Nach Magenproblemen plagte den Scherzinger am Samstag der Durchfall. Vor dem ersten Anstieg scherte er aus und verschwand kurz in den Büschen.

Sastre, der sich 20 Kilometer vor dem Ziel von einer Spitzengruppe abgesetzt hatte, feierte den zweiten diesjährigen Etappen-Erfolg für das Bjarne-Riis-Team CSC und einen "Heimsieg" unweit der Landesgrenze. Hinter Armstrong und Ullrich rangiert in der Gesamtwertung Alexander Winokurow (Kasachstan), der sich mit seinem alten Team-Kollegen Ullrich bestens ergänzte, weiter auf Rang drei - mit jetzt 1:01 Minuten Abstand zum Vorjahressieger. "Es gibt noch genug Chancen in den Pyrenäen. Die enormen Anstrengungen von gestern konnte ich noch nicht ausgleichen. Aber ich bin nicht enttäuscht", sagte Armstrong direkt nach dem Rennen, in dem sich die die Topfahrer erneut nichts schenkten.

13 Kilometer vor dem Gipfel des 2001 Meter hohen Port de Pailhères, der ersten von zwei großen Schwierigkeiten des Tages, versuchte Ullrich ein erste ernsthafte Attacke. Er wurde von seinen Team-Kollegen David Plaza und Felix Garcia Casas (beide Spanien) unterstützt. Aber als Armstrong zunächst scheinbar mühelos mitging, stellten die Bianchi-Fahrer ihre gesteigerten Aktivitäten vorläufig ein. Die Tempoverschärfung führte dazu, dass sich eine 19-köpfige Spitzengruppe mit allen Favoriten bildete. Davor fuhr immer noch eine zehnköpfige Ausreißergruppe, die sich vor dem zweiten Tagessprint zusammengefunden hatte.

Durch den Schlagabtausch auf dem Pailhères verkleinerte sich die Gruppe, und sowohl Armstrong als auch Ullrich hatten zwischenzeitlich keinen Helfer mehr. Der Spanier Roberto Heras war am längsten an Armstrongs Seite und davor wartete ja noch José-Luis Rubiera (Spanien) in der Ausreißer-Gruppe, so dass der viermalige Toursieger im Gegensatz zu dem Sieger des Zeitfahrens den Schlussanstieg in die Ski-Station Ax-3 Domaines in Team-Begleitung in Angriff nehmen konnte. Kurz nachdem die Armstrong/Ullrich-Gruppe zu Rubiera aufgeschlossen hatte, musste Heras völlig ausgepumpt abreißen lassen.

Das gleiche Schicksal teilte der überragende Sieger von L'Alpe d' Huez, Iban Mayo (Spanien) sechs Kilometer vor dem Ziel. Torsten Schmidt (Schwelm) vom Team Gerolsteiner gab als siebenter der 17 gestarteten deutschen Tour-Fahrer auf.

Am Samstag begann die viertägige Tour durch die Pyrenäen. Der Sonntags-Abschnitt über 191,5 Kilometer und sechs Anstiege endet nach einer sechs Kilometer langen Abfahrt. Am Montag stehen eine Bergankunft und über 159,5 Kilometer die zwei Tour-Klassiker Aspin und Tourmalet vor dem Schluss-Anstieg nach Luz-Ardiden auf dem Programm. Die letzte Pyrenäen-Etappe am Mittwoch verspricht vom Profil her die relativ leichteste zu sein. Am Dienstag wird den Fahrern ein zweiter Ruhetag gegönnt.

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