Nur noch begrenztes Potenzial
Ertragszahlen bringen Zuversicht

Die Ergebnisse der Unternehmen belasten nicht mehr wie bisher die Aktienmärkte, sondern beflügeln sie euerdings. Doch Analysten sind vorsichtig. Die verhaltenen Ausblicke der meisten Firmen lassen keinen nachhaltigen Aufschwung an den Börsen zu.

DÜSSELDORF. Analysten scheinen in diesem Jahr demselben Irrtum wie schon vor vier Jahren aufgesessen zu sein: Ähnlich wie der Boom Ende der neunziger Jahre wurde diesmal die Schwarzmalerei aus dem vierten Quartal 2002 in die Zukunft fortgeschrieben. Die jüngsten Quartalszahlen der amerikanischen und europäischen Unternehmen beweisen das Gegenteil.

"Die Kostensenkungen und Umstrukturierungen der Unternehmen wirken sich stärker als erwartet auf die Margen aus. Das zeigen die guten Zahlen bei Intel und Philips", sagt Andreas Hürkamp von West LB Panmure. Zudem habe der Irak-Krieg die Unternehmen offenbar weniger stark belastet als befürchtet. Der Stratege ist überrascht, dass die Börsen "früher als erwartet von den Unternehmen Unterstützung bekommen - gerechnet hatten wir eigentlich mit einer ersten Unterstützung durch die konjunkturellen Frühindikatoren. Jetzt müssen wir umdenken, denn bislang standen die Unternehmensergebnisse immer auf der negativen Argumentationsseite."

Hürkamp sieht den Deutschen Aktienindex (Dax) auch in den nächsten Wochen weiter steigen: "Derzeit beträgt die Risikoprämie am Aktienmarkt 5 %. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 2 %. Wenn wir nur auf 3,5 % heruntergehen, dann hat der Dax Luft bis auf 3 400 Punkte." Diese Lücke dürfte seiner Einschätzung nach sehr schnell geschlossen werden, wenn die Berichtssaison weiterhin besser ausfalle als prognostiziert.

"Die Erwartungen waren sehr, sehr negativ. Jetzt starten wir aber recht gut in die Berichtssaison. Besonders Investmentbanken sind die große Überraschung", sagt Rolf Elgeti von Commerzbank Securities. Der Chefstratege leitet daraus aber keineswegs den Beginn einer neuen Hausse für die Aktienmärkte ab: "Wir haben unsere Aktienquote auf neutral reduziert." Der Grund: In den vergangenen vier Wochen hätten sich vor allem Spekulanten, die auf niedrigere Kurse gesetzt und dafür geliehene Aktien verkauft hätten, wieder eingedeckt - aus Sorge, dass die Kurse noch weiter steigen. "Strategische Käufe von langfristigen Investoren gibt es dagegen nur sehr wenig. Versicherungen werden jetzt mit Sicherheit nicht ihre Aktienquote erhöhen", dämpft Elgeti jegliche Börseneuphorie. Diese war in den letzten Tagen aufgekommen, weil der Dax in nur vier Wochen um 30 % gestiegen ist.

Elgetis verhaltener Ausblick deckt sich mit Beobachtungen aus den USA. "Im Vorfeld der Quartalssaison haben weniger US-Manager Aktien ihrer eigenen Unternehmen verkauft", sagt Dhaval Joshi, Chefstratege der französischen Bank Société Générale in London. Das zeige, dass die Manager - sie dürften die Situation ihrer Unternehmen am besten kennen - zumindest für dieses Quartal keine allzu bösen Überraschungen erwarten. Bislang bestätigt sich deren Eindruck. Allerdings nehmen diese Insider-Verkäufe seit einigen Tagen wieder zu, so dass dieses Marktbarometer derzeit ein schlechteres Signal als noch vor einigen Wochen liefert.

Dass die Aktienmärkte bereits sehr viel von der insgesamt positiven Berichtssaison vorwegnehmen, glaubt Gerhard Schwarz von der Hypo-Vereinsbank. Angesichts des wieder verbesserten wirtschaftlichen Umfeldes und Umschichtungen aus anderen Anlageformen rechnet der Stratege zwar kurzfristig noch mit steigenden Kursen: "3 200 Punkte sind unser Dax-Ziel für die nächsten drei bis sechs Monate." Gemessen am derzeitigen Niveau ist das ein Potenzial von 10 %. "Im Jahresverlauf werden dann aber Zweifel an einer durchgreifenden Verbesserung der Wirtschaft auftauchen", ist sich Schwarz sicher. Weniger Zuversicht als die Ergebnisse bereiten ihm die "sehr zögerlichen" Ausblicke der Unternehmen. "Die Firmen sind sehr realistisch geworden, ihr Gewinnniveau ist stabil. Es wird nicht schlimmer, aber auch nicht besser", sieht Schwarz noch nicht den Beginn eines nachhaltigen Aufschwungs.

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