Nur Options-Index signalisiert gegenläufigen Trend
US-Barometer verheißen nichts Gutes

Anlageprofis schauen nicht nur auf Fundamentaldaten. Sie achten auch auf so genannte Sentiment-Indikatoren, um die Stimmung an den Finanzmärkten einzuschätzen. Diese liefern derzeit überwiegend negative Signale.

tmo FRANKFURT/M. Da staunt der Laie: "An der Wall Street herrscht immer noch zu viel Optimismus", sagt René de Wolf, Fondsmanager beim niederländischen Vermögensverwalter Robeco. Diese Aussage kann nach dem brutalen Kurssturz der vergangenen Tage, Wochen und Monate nur überraschen. Doch der Wall-Street-Stimmungsindex der Investmentbank Merrill Lynch lässt keinen Zweifel: Er notiert weit im positiven Bereich, und das heißt: Die meisten US-Anlagestrategen erwarten baldige Kurssteigerungen und raten zum Einstieg. Robeco-Experte de Wolf wertet dies als schlechtes Omen: "Dies bedeutet, dass kaum noch neue, positive Impulse von den Bankstrategen zu erwarten sind". Wer soll schließlich noch kaufen, wenn alle bereits auf Grund positiver Empfehlungen in den Markt eingestiegen sind?

Robeco, eines der großen europäischen Fondshäuser, beachtet bei der Gelanlage mehrere so genannte Stimmungs- oder Sentiment-Indikatoren. Jeder einzelne Index ist in seiner Aussagekraft umstritten. Erst wenn mehrere Indikatoren das gleiche Signal senden, sollten Investoren darauf achten, rät auch Anlagestratege Dhaval Joshi von Société Générale (SG) in London.

Für die USA existiert eine weitere Kennziffer, die Investoren derzeit Sorgen bereitet: Viele Manager von börsennotierten Unternehmen verkauften zuletzt massiv die Aktien der eigenen Unternehmen. "An der New Yorker Börse gibt es fünf Verkäufer für jeden Käufer unter den Firmeninsidern", sagt SG-Experte Joshi. Er wertet die Meldungen der US-Manager an die dortigen Aufsichtsbehörden aus. "Offenbar fürchteten die Manager, dass sie die hoch gesteckten Erwartungen der Analysten für das zweite Quartal nicht erfüllen können", sagt Joshi. Eine Ausnahme bilden jedoch die Finanzdienstleister: Dort investierten die Top-Mitarbeiter zuletzt verstärkt in die eigenen Aktien, erklärt Joshi. Besonders massive Verkäufe registriert er hingegen bei den US-Technologieunternehmen. In Kontinentaleuropa sind solche Meldungen noch nicht vorgeschrieben, weshalb hier bislang kein Insider-Indikator existiert.

Doch auch die "Bullen", also die Optimisten, können sich auf einen Sentiment-Index stützen: Das Verhältnis zwischen Put- und Call-Optionen deutet in den USA und Deutschland auf einen starken Pessimismus der Options-Käufer hin. Sie kauften zuletzt verstärkt Puts, mit denen man auf fallende Kurse spekuliert. Das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen auf den Deutschen Aktienindex (Dax) lag zuletzt bei 1,44 (siehe www.maxblue.de Rubrik Märkte). In den USA liegt das Put-Call-Verhältnis des Chicago Board of Options laut Merrill Lynch im neutralen bis leicht überverkauften Bereich. Somit gilt: Viel mehr Verkaufsdruck dürfte von der Optionsseite nicht mehr kommen. Damit scheint auf kurze Sicht - das Put-Call-Verhältnis ist ein sehr kurzfristiger Indikator - eine Kurserholung möglich.

"Das Gesamtbild ist somit nicht eindeutig", sagt SG-Stratege Joshi. Dennoch bleibt er skeptisch. Als Grund nennt Joshi den so genannten Stellenmarkt-Index (Grafik). Dieser wird aus der Zahl der Personalanzeigen ermittelt, die Unternehmen schalten. Er vermittelt ein Bild, wie die Unternehmen ihre eigenen Geschäftsperspektiven einschätzen. "Der Job-Index Indikator zeichnet ein düsteres Bild", erklärt Joshi. Für die USA bestätigt die Kennzahl das Verkaufssignal des Strategen-Index. In der Vergangenheit haben der deutsche und der britische Job-Indikator sich ungefähr parallel zum Aktienmarkt entwickelt. Zuletzt ist die Zahl der veröffentlichten Stellenanzeigen in beiden Ländern noch stärker zurück gegangen als die Aktienkurse. "Das könnte darauf hindeuten, dass an den Märkten immer noch Korrekturbedarf besteht", sagt Joshi.

Der Fondsverwalter Union Investment sieht den Job-Index allerdings eher als zeitlich hinterher laufenden Indikator. "Wir schauen uns zwar die Personalpolitik der einzelnen Unternehmen an, deren Aktien wir kaufen wollen", sagt Fondsmanager Hans-Joachim König, "aber die Zahl der Stellenanzeigen verwenden wir nicht als Prognoseinstrument". Wenn die Konjunktur anziehe, reagierten die Firmen womöglich erst zeitversetzt mit Einstellungen.

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