Nur Schumacher bleibt gelassen: Gereizte Stimmung bei Ferrari

Nur Schumacher bleibt gelassen
Gereizte Stimmung bei Ferrari

Auch wenn sein erster Angestellter Michael Schumacher die erneute Ferrari-Pleite recht entspannt kommentierte, die Nerven bei den Italienern scheinen nach dem Grand Prix von Brasilien langsam blank zu liegen. Zumal in zwei Wochen das Heimrennen in Imola ansteht. Rennleiter Jean Todt jedenfalls war am Sonntagabend in Interlagos so gestresst, dass er sich sogar mit seinen französischen Landsleuten von Funk, Fernsehen und Presse anlegte.

SAO PAULO. Seine übliche Pressekonferenz nach dem Rennen verschob Todt kurzfristig nach vorn, mit knappster Vorankündigung - so dass dies kaum einer mitbekam. Als die Franzosen ihn dann später, also zum normalen Zeitpunkt, um ein paar Statements baten, blaffte er sie an: "Ich habe keine Zeit mehr."

Es war die dritte Pleite für Schumacher und Ferrari in Serie. Nach seinem Unfall im verregneten, dramatischen und chaotischen Rennen in Interlagos hat der Weltmeister jetzt 18 Punkte Rückstand auf Kimi Räikkönen. Dennoch wagt kaum jemand in der Formel 1, Schumacher im Titelkampf 2003 schon abzuschreiben. "Man kann sein Geld durchaus noch auf Michael setzen. Im Moment schlägt nur einfach das Glückspendel ein bisschen in die andere Richtung aus", sagt etwa der Schweizer Ex-Pilot Marc Surer.

Selbst bei McLaren-Mercedes, nach drei Siegen in den ersten drei Saisonrennen zum WM-Favoriten avanciert, gibt man sich sehr vorsichtig: "Einen Michael Schumacher darf man nie abschreiben. Ihn zu unterschätzen wäre ein gewaltiger Fehler", sagt Sportchef Norbert Haug, der sich weigert, schon jetzt an den WM-Titel zu denken: "Davon würden wir auch nicht schneller."

Auch Glückspilz Räikkönen will noch nicht viel von WM-Chancen hören: "Im Moment ist es noch viel zu früh, um zu sagen, wie das am Ende aussehen könnte." Der Finne hatte bei seinem Sieg von einem Paragrafen im Reglement profitiert, nach dem bei einem Rennabbruch - in diesen Fall auf Grund des Unfalls von Renault-Fahrer Alonso - die Platzierungen zwei Runden zuvor über den Endstand entscheiden. "Aber das sind halt die Regeln", zeigte sich der Zweitplatzierte Giancarlo Fisichella als fairer Verlierer. Nur wenige Minuten hatte der italienische Jordan-Pilot über seinen scheinbar ersten Grand-Prix-Erfolg jubeln können, ehe die Verwirrung aufgelöst war. "Fisichella ist der moralische Sieger", meinte denn auch "Tuttosport".

Während die italienischen Zeitungen von einem "Desaster" für Ferrari sprachen, wurde Schumacher noch geschont. "Schumi ist gut gefahren, die Strategie war richtig, aber es war einfach nicht sein Tag", schrieb "Corriere de la Sera". Dabei hatte Schumacher den Ausrutscher auf seine rote Kappe genommen: "Die Bedingungen waren schwierig, aber das waren sie für alle. Andere sind nicht abgeflogen, ich schon, also war es meine Schuld."

Aber bei ausstehenden 13 Rennen sei noch alles offen. "Ich sehe das relativ relaxed - ich hatte jetzt drei sehr gute Jahre, jetzt läuft?s halt mal nicht so gut." Seinen letzten Rennunfall hatte er 2000 in Hockenheim, seit Hockenheim 2001 kam er jedes Mal ins Ziel, 24 Rennen in Folge. Rekord. Für Ferrari war die jetzt abgerissene Erfolgsserie sogar noch länger: 1999 auf dem Nürburgring war zum letzten Mal kein Wagen mehr in den Punkten; der letzten Totalausfall, bei dem keiner der roten Renner die Zielflagge sah, war Ende August 1998 in Spa zu beklagen.

Doch viereinhalb Jahre später erwischte es auch Schumachers Team- Kollegen Rubens Barrichello. Der Brasilianer, der mit den Bridgestone-Reifen in der zweiten Phase des Rennens bei abtrocknender Strecke große Vorteile hatte, hätte Interlagos vermutlich in einer Spazierfahrt gewonnen. Doch schlug der Fluch seines Heimrennens wieder zu: In Führung liegend, fiel er in seinem zehnten Brasilien-Rennen zum neunten Mal aus.

Was Ferrari vornehm als "Problem mit der Benzinversorgung" umschrieb, hieß im Klartext: "Rubinho" war ohne Sprit stehen geblieben. Durch ein Computerproblem hatte sein Wagen deutlich mehr Benzin verbraucht. Dies hatte aber die Elektronik nicht angezeigt. Kein Wunder, dass Monsieur Todt nicht darüber sprechen wollte.

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