Nur verhaltene Freude bei ausländischen Fondsgesellschaften
China öffnet den A-Aktienmarkt

Am 1. Juli treten am chinesischen Aktienmarkt die neuen Regeln für den Einstieg ausländischer Fondsgesellschaften in den Markt der A-Aktien in Kraft. Internationale Fonds müssen demnach Joint-Ventures gründen oder können bis zu 33 % an bestehenden chinesischen Gesellschaften erwerben.

PEKING. China hat gestern die mit Spannung erwarteten Regeln für den begrenzten Einstieg ausländischer Fondsgesellschaften in den Markt für A-Aktien bekannt gegeben. Bislang war dieses Segment Chinesen vorbehaltenen. Chinas Börsen sind der Kapitalisierung nach bereits der zweitgrößte Kapitalmarkt in Asien. Am Markt für A-Aktien, der 95 % der Kapitalisierung ausmacht, sind über 90 % aller in China gehandelten Publikumsgesellschaften vertreten.

Die Börsenaufsicht, China Securities Regulatory Commission, hat die neuen Regeln in staatlichen Zeitungen veröffentlicht. Demnach können ausländische Partner in gemeinsamen Gesellschaften mit chinesischen Fondsfirmen bis zu 33 % der Anteile erwerben. Dieser Anteil kann drei Jahre nach Chinas Beitritt zur WTO im vergangenen Dezember auf bis zu 49 % steigen. Sowohl die Gründung eines Joint Ventures als auch der Einstieg in eine bestehende chinesische Fondsgesellschaft sind möglich. Die ausländische Gesellschaft muss in harter Währung umgerechnet 36,25 Mill. Dollar einbringen.

Zahlreiche westliche Fondshäuser haben in den vergangenen drei Jahren Vereinbarungen mit chinesischen Partnern unterzeichnet, konnten aber keine Joint Venture gründen, weil sie die Regeln noch nicht kannten. Bereits im Januar 2001 unterzeichnete z.B. die Dresdner Bank eine Vereinbarung mit Guotai Junan. Die Commerzbank wählte China Southern Securities zum Partner.

Die ersten Reaktionen auf die Bekanntgabe waren gestern überwiegend positiv. "Das sind gute Nachrichten für den gesamten chinesischen Wertpapiermarkt, weil eine ausländische Beteiligung das Management und die Standards der chinesischen Fondsgesellschaften verbessern", so der Wertpapierhändler China Southern Fund Management. Bei den internationalen Gesellschaften hat sich die ursprüngliche Euphorie dagegen etwas gelegt. "Vor einem Jahr wäre das noch eine sehr gute Nachricht gewesen", sagt Peter de Jong bei der Commerzbank in Schanghai. Aber der Markt hat sich nicht so gut entwickelt und die geforderte Kapitaleinlage von 36 Mill. $ ist kein kleiner Betrag".

In der Tat: Chinas Aktien haben seit ihren Höchstkursen vor einem Jahr rund 35 % an Wert eingebüßt. Verantwortlich sind nicht nur harsche Strafen der Regierung für getürkte Bilanzen einiger Aktiengesellschaften, sondern auch die ersten vier Roten Karten für Firmen, die seit mehr als zwei Jahren Verluste ausweisen und nach einer Schonfrist keine Besserung nachweisen können. Dennoch gilt der Fondsmarkt als überaus lukrativ: zum einen wegen der immensen Ersparnisse der 1,2 Mrd. Chinesen von 1 000 Mrd. $, zum anderen weil die Fondsbranche in China rasant wächst. Aus fünf Fonds im Jahr 1998 wurden inzwischen 55, davon 50 geschlossene und fünf offene nach westlichem Vorbild.

Zwei Tage vor der Ankündigung der Börsenaufsicht hat die Planungskommission in ihrem Weißbuch die stärkere Beteiligung ausländischer Investoren an der Modernisierung der maroden Staatswirtschaft empfohlen. Und zu Wochenbeginn wurde in Peking bekannt, dass die staatliche Wirtschafts- und Handelskommission gerade einen Entwurf hierzu fertig gestellt hat, der nur noch ein Mal überarbeitet werden soll, bevor er in Kraft tritt.

Die Weltbank hat in einem Seminar in Peking weiter gehende Maßnahmen für die Reform der Staatswirtschaft angemahnt. Deren Restrukturierung stockt, soll aber wegen des erfolgten WTO-Beitritts beschleunigt werden. Doch Chinas Börsen gehen allein wegen der Ankündigung, mehr staatliche Anteile in den Handel zu bringen, seit Monaten kräftig in die Knie. Insofern ist die vorsichtige Öffnung des A-Aktien-Marktes für ausländische Fonds auch als liquiditätsfördernde Maßnahme zu sehen.

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