Nur wenig kapitalgedeckte Vorsorge in Deutschland
Studie rügt zögerlichen Umbau des Rentensystems

Die Industrieländer mit dem künftig höchsten Rentneranteil sparen heute am wenigsten für ihre Altersvorsorge. Betroffen sind besonders Deutschland, Italien und Spanien sowie mit leichten Abstrichen Japan. Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Studie der Bertelsmann Stiftung zur Alterssicherung in 15 Mitgliedsstaaten der OECD. Fazit: Die genannten Volkswirtschaften sind besonders schlecht auf den wachsenden Anteil älterer Menschen an ihrer Bevölkerung und die daraus erwachsenden Kosten vorbereitet.

huh BERLIN. Die Bertelsmann-Studie geht bis zum Jahr 2040 von einer stetig älter werdenden Bevölkerung in allen untersuchten Ländern aus. Großbritannien, Frankreich, Dänemark und die USA sind dabei noch verhältnismäßig gut dran. Dort kommt in vierzig Jahren auf zwei potenziell Berufstätige zwischen 20 und 59 Jahre ein Bürger, der 60 Jahre oder älter ist. In Deutschland, Italien, Japan und Spanien dagegen beträgt dieses Verhältnis dann beinahe eins zu eins.

Als Antwort empfiehlt die Studie den Staaten einen Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Bisher herrscht in allen untersuchten Ländern bei der staatlichen Rentenversicherung das Umlagesystem vor, wonach die Beiträge unmittelbar an die Rentner weitergereicht werden. Dieses System könne die wachsenden Ansprüche einer alternden Bevölkerung nicht mehr decken, urteilt die Bertelsmann-Stiftung. Sie stützt sich dabei auf die Ergebnisse einer Befragung internationaler Forschungsinstitute. Deren Experten nannten als Argumente für mehr Kapitaldeckung eine bessere Streuung der Risiken, die gerechtere Verteilung der Altersvorsorgekosten zwischen Jung und Alt sowie positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Teilnehmer der Umfrage waren unter anderem die Washingtoner Brookings Institution, die Schweizer Prognos AG und das Japan Institute of Labour.

In sieben der untersuchten 15 Länder fließe inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Beitragszahlungen für die Alterssicherung in kapitalgedeckte Systeme, heißt es in der Bertelsmann-Studie. Genannt werden Großbritannien, USA, Australien, Kanada, Dänemark, die Niederlande und die Schweiz. Berücksichtigt sind dabei neben der staatlichen Rentenversicherung auch die betriebliche und die individuelle Altersvorsorge. In Deutschland dagegen werde nur etwa jede vierte Mark gespart, die in die Alterssicherung fließe. Der Großteil gehe hier zu Lande über das Umlageverfahren direkt in den Konsum. Daran werde auch die Rentenreform der Bundesregierung mit dem geplanten Aufbau eines individuellen Kapitalstocks für die Altersvorsorge wenig ändern, urteilt die Stiftung. Ebenfalls unterdurchschnittlich sei die Kapitaldeckung in Frankreich, Österreich, Italien und Spanien.

Sehr verschieden sind die kapitalgedeckten Vorsorgesysteme der Studie zufolge in ihrer Ausgestaltung. In einigen Ländern sind Beiträge zwingend vorgeschrieben, entweder durch Gesetz oder mittels Tarifvertrag (siehe Grafik). Auch Arbeitsminister Walter Riester (SPD) hatte bei der Rentenreform anfangs eine Pflicht zur Privatvorsorge geplant, diese aber nach Protesten der Bevölkerung wieder fallen gelassen. Die von Riester vorgesehene zwangsweise Auszahlung des angesparten Kapitalstocks als lebenslange Rente gibt es in Kanada, Dänemark, den Niederlanden Schweden, der Schweiz und teilweise Großbritannien. Die Mehrheit der befragten Experten befürwortete diese Auszahlungsart, während die Meinung zur Beitragspflicht gespalten war.

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