Nur wenige Banken sehen größeres Potenzial für Rohstoff-Derivate
Skepsis gegenüber Rohstoffen weicht nur zögerlich

"Der Kapitalanlage in Rohstoffen gehört die Zukunft." Wer dies sagt, ist kein geringerer als Marc Faber. Der populäre Fondsmanager, der heute einer der meist gefragten internationalen Referenten in Sachen Kapitalanlage ist, rät nach wie vor zur Vorsicht gegenüber Aktien und zu Engagements in Rohstoffen.

Seine These: Der wirtschaftliche und politische Aufbruch in der VR China wird in den nächsten Jahren zu einer stark steigenden Rohstoff-Nachfrage führen. Da die Investitionen der Wirtschaft in eine Erweiterung bestehender und in die Erschließung neuer Rohstoff-Reserven jedoch stark zurückgefahren wurden, sei die weltweit zunehmende Nachfrage bei den meisten Rohstoffen oftmals nur zu höheren Preisen zu befriedigen, sagt Faber.

Für private Anleger sind die Möglichkeiten zur Geldanlage in Rohstoffen jedoch noch immer rar. Diese Lücke wollen indes immer mehr Emissionshäuser schließen. Seit geraumer Zeit bereits werden an der Optionsscheinbörse Euwax in Stuttgart sowie im Freiverkehr anderer deutscher Börsen Warrants, Zertifikate und andere Hebelprodukte auf Rohstoffe wie Rohöl, Gold, Silber und Platin gehandelt. Diese Angebotspalette hat die australische Macquarie Bank in jüngster Vergangenheit ergänzt, indem sie zwei Hebelprodukte auf Kaffee und Weizen emittiert hat.

Dabei handelt es sich um so genannte "Tracker"-Zertifikate, die exakt die Preisentwicklung der Futureskontrakte beider Rohstoffe abbilden. Der Kaffee-Tracker (WKN: 700011) weist einen Referenzpreis von 59,05 US-Cents auf. Basis des Zertifikats ist der Kaffee-C-Terminkontrakt der Coffee Sugar and Cocoa Exchange (CSCE) in New York mit Fälligkeit im Monat September 2003. Als Handelseinheit wurde für ein Zertifikat die Menge von 100 lb Kaffee gewählt. Der Tracker wird am 13. August des Jahres 2003 - also einen Monat vor Fälligkeit des Futureskontrakts an der CSCE - fällig.

Mit diesem Produkt bietet Macquarie auch jenen privaten Anlegern die Chance auf ein Engagement an den internationalen Rohstoffmärkten (hier: Kaffee), die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage sind, Futureskontrakte an der New Yorker Terminbörse abzuschließen. "Der Tracker bildet exakt die Preisentwicklung des Futureskontrakts an der CSCE ab", sagt Florian M. Roebbeling von Macquarie in London.

Der Erfolg des ersten Produkts hat diese Bank ermutigt, ein weiteres Tracker-Zertifikat aufzulegen. Grundlage für dieses Zertifikat ist der am Chicago Board of Trade (CBOT) gehandelte Weizen-Terminkontrakt mit Fälligkeit im Dezember des kommenden Jahres. Der Referenzpreis dieses Produkts wurde auf 363 US-Cents festgelegt. Mit einem Zertifikat (WKN: 722 111) handelt der Anleger bis zum 17. November des kommenden Jahres 100 Bushel Weizen.

Wie riskant Engagements an den Rohstoffmärkten für die Anleger sind, ist aus der Entwicklung der Preise sowohl der zugrundeliegenden Rohstoffe als auch der beiden "Tracker" abzulesen. Der Kaffee-Tracker schoss von seinem Startpreis bei 59 inzwischen auf rund 75 Euro in die Höhe. Der Preis des Weizen-Trackers fiel dagegen innerhalb von nur etwa zwei Wochen von 340 auf 327 Euro.

Die hohe Volatilität der Rohstoffpreise - und das daraus resultierende Risiko für die Anleger - wird bei einer Analyse der Preisentwicklung von Kaffee und Weizen während der jüngsten Zeit deutlich. An der New Yorker Terminbörse stieg der Kaffeepreis von 58 c/lb im August auf 80 c/lb im Oktober. Der Weizenpreis schoss in Chicago von 280 Cent je Bushel im Mai 2002 bis auf 440 Cent je Bushel im September in die Höhe. Inzwischen ist er wieder auf rund 325 Cents zurückgefallen.

Den größten Einfluss auf die Preise agrarischer Rohstoffe haben in der Regel witterungsbedingte Faktoren, die in Extremfällen zu Missernten oder Rekordernten führen können. Anleger müssen vor einem Engagement in landwirtschaftliche Rohstoffe zudem politische und strukturelle Faktoren berücksichtigen, die zu Streiks und Lieferunterbrechungen führen können.

Bei der Beurteilung der künftigen Preischancen des Kaffee- und Weizenmarktes muss der Anleger die Entscheidung für den eventuellen Einstieg in diese Märkte auf die jeweilige Angebots/Nachfrage-Situation in der Welt abstellen. Die Kaffeepreise waren jüngst auch deshalb auf das höchste Niveau seit rund zwei Jahren gestiegen, weil die Klimabedingungen in den beiden wichtigsten Produzentenländern Brasilien und Vietnam gewissen Anlass zu Spekulationen gaben, dass die dortigen Ernten möglicherweise niedriger als allgemein erwartet ausfallen könnten.

Bis vor kurzem waren die Akteure am Kaffeemarkt auch wegen der Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) für die Saison 2002/03 von einer steigenden Kaffeeernte ausgegangen. Das Ministerium hatte eine weltweite Ernte von 122 Mill. Sack (je 60 kg) geschätzt, was einem Plus von mehr als 10 Mill. Sack zur Ernte des Vorjahres bedeuten würde. Die Fachleute von Credit Lyonnais Rouse haben jetzt jedoch für die laufende Saison eine Ernte von nur noch 107,8 Mill. Sack veröffentlicht.

Im Hinblick auf die weiteren Preischancen am Weizenmarkt findet die Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums bei Marktteilnehmern große Beachtung. Die Experten gehen davon aus, dass die globale Weizenernte in der laufenden Saison lediglich 569,34 Mill. Bushel erreichen wird. In der vergangenen Saison waren rund um den Globus 578,72 Mill. Bushel Weizen in die Scheuer gebracht worden. Vor diesem Hintergrund hat das USDA seine Prognose der erwarteten Preisspanne bei Weizen für die nächsten Monate um 10 Cents auf 365 bis 395 Cents je Bushel angehoben.

Udo Rettberg ist Finanz-Korrespondent in der Handelsblatt-Redaktion in Frankfurt.

Quelle: Handelsblatt

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