Nur wenige Firmen verhindern Internet-Nutzung
Fußball ohne Filter

Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft findet während der mitteleuropäischen Bürostunden statt. Für fußballverrückte Arbeitnehmer bietet das Internet eine Möglichkeit, unauffällig während der Arbeitszeit live dabei zu sein. Unternehmen fürchten, dass die Angestellten sich mit Fußball vergnügen statt am Schreibtisch zu klotzen. Technisch ließe sich dieses Malheur beheben - doch die meisten Firmen machen davon keinen Gebrauch.

Zwar sind bei den meisten großen Firmen bereits Filter-Programme im Einsatz, die den Mitarbeitern beispielsweise den Zugang zu Porno-Webseiten verwehren. Mit ein paar Klicks könnten so auch sämtliche Sportseiten gesperrt werden - ein zu schweres Geschütz für viele Unternehmen.

"Wir sehen keinen Bedarf, spezielle Fußball-Sites vor unseren Mitarbeitern abzuschotten", sagt Gisela Hawickhorst, bei der Commerzbank verantwortlich für die IT-Abteilung. Eine sporadisch persönliche Nutzung des Internets würde bei der Commerzbank genauso wie vereinzelte, private Telefonate geduldet werden.

Auch die Allianz erwartet keine übermäßige Ablenkung der Mitarbeiter durch das Sportangebot im Netz. "Wir glauben nicht, dass die private Internet-Nutzung anlässlich der WM ansteigt", so Reiner Wolf , Sprecher Personal bei der Allianz. Der Versicherungskonzern hat die Arbeitszeiten flexibilisiert, um den Fußballfans im Unternehmen das Leben im Juni zu erleichtern. "Wer morgens noch ein Spiel von zu Hause aus sehen möchte, kann später anfangen, vorausgesetzt, das ist in der Abteilung abgesprochen".

Sportseiten rangieren nach Nachrichten-Angeboten an Nummer zwei auf der Interessenskala in den Büros, wie eine Studie des Markforschungsunternehmen Nielsen/Netratings herausgefunden hat.

Doch die Angst vor einem Produktivitätsverlust ist nicht der Hauptgrund für Unternehmen, überhaupt Seiten zu blocken. Bei jedem Streifzug durchs Web hinterlassen die Mitarbeiter eine digitale Datenspur in Form der so genannten IP-Adresse, die auf das Firmennetz verweist. Diese IP-Adressen werden in den Log-Files der Server gespeichert. Auf diese Weise kann unter Umständen nachvollzogen werden, wenn sich Mitarbeiter großer Unternehmen verstärkt auf zwielichtigen Angeboten tummeln. "Bei 90.000 Mitarbeitern ist es deshalb wichtig, bestimmte Inhalte rein präventiv zu sperren", so Wolf.

"Versicherungen und Banken gehören zu unseren Hauptkunden, da gerade die sich nicht leisten können, mit Schmuddelsites in Verbindung gebracht zu werden", sagt Rudolf Achhammer, Verkaufsleiter bei Websense, einer der größten Anbieter für Filtersoftware. Der Imageverlust für das Unternehmen wird in so einem Fall mehr gefürchtet als der Produktivitätsverlust durch private Reisen im World Wide Web.

Filtersoftware beinhaltet je nach Hersteller bis zu 70 verschiedene Kategorien. Neben Gewalt oder Rassismus stehen auch Rubriken wie Chat, Reisen oder Shopping zur Auswahl. Ähnlich wie Suchmaschinen durchforsten Roboter das Netz nach Schlagwörtern und Bildern. Auffällige Seiten werden herausgefiltert und den einzelnen Rubriken zugeordnet. Kontinuierlich und automatisch werden die Datenbanken erweitert. Bis zu 25.000 neue Seiten kommen pro Woche dazu.

Es bleibt dann den Kunden - also den Webmastern der Unternehmen - überlassen, welche Kategorien sie aktivieren. Die Hersteller wissen jedoch nicht, welche Kategorien besonders oft gesperrt werden. Wir erhalten keine Rückmeldung von den Kunden," sagt Heinz Drstak von Surfcontrol. Der Baumarkt wisse schließlich auch nicht, wie oft ein Kunde, der einen Rasenmäher gekauft habe, tatsächlich mähe.

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