Nur wenige Manager äußern sich öffentlich zum Thema Irak-Krieg: Unternehmer protestieren lieber im Stillen

Nur wenige Manager äußern sich öffentlich zum Thema Irak-Krieg
Unternehmer protestieren lieber im Stillen

Demonstrationen gegen den Irak-Krieg nehmen zu. Unternehmer finden sich nur selten unter jenen, die zum Protest aufrufen - aber es gibt sie, die Ausnahmen: Zum Beispiel der Reeder und Berater für Öl- und Gasfirmen, Peter Krämer, aus Hamburg.

am/huh/tom DÜSSELDORF. Seine Idee: Unternehmer und Gewerkschafter sollten gemeinsam demonstrieren. Ausdrücklich hatte sich Krämer vor einigen Tagen in Zeitungsanzeigen an den Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, sowie den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt gewandt und für die Demonstration in Berlin geworben: "Es muss doch mehr Unternehmer geben, die ihre Kriegsablehnung auch öffentlich machen", sagt Krämer über seine Beweggründe.

Die Resonanz auf seinen Aufruf war groß, viele Anrufe und Berichte in den Medien die Folge. DGB-Chef Sommer antwortete bald und sagte, dass er bereits selbst einen Aufruf gestartet habe. Auch Dieter Hundt schickte Krämer einen Brief. Doch Unterstützung bekam Krämer von ihm nicht. Nur eine Nachricht, dass Hundt zwei Tage später in der Süddeutschen Zeitung antworten würde. Darin bezeichnet er den Aufruf als einen "Wolf im Schafspelz des alten linken Antiamerikanismus" von Künstlern und Intellektuellen, er vermisse, dass kein einziges Wort über das diktatorische Regime in Bagdad verloren würde. Seitdem ist eine heftige Debatte entbrannt.

Der ehemalige Bürgermeister Hamburgs, Henning Voscherau (SPD), verwahrt sich in einem weiteren Zeitungsartikel im Hamburger Abendblatt und in der Süddeutschen Zeitung gegen den Vorwurf des linken Antiamerikanismus. Er erläutert, warum er "als Freund Amerikas" gegen einen Angriffskrieg ist. Hundt hat, wie er dieser Zeitung mitteilte, nicht die Absicht, seine Meinung zu ändern.

Tatsächlich sind es vor allem Künstler, die gegen den Krieg aufrufen: Von Elton John bis Dustin Hofman sind sich internationale Stars einig in ihrer ablehnenden Haltung zu einem Irak-Krieg. Die Stimme der Unternehmer jedoch bleibt leise. Im Gespräch äußern sich Manager durchaus kritisch zum Krieg, sie sorgen sich um die Weltökonomie und das Risiko im Nahen Osten, veröffentlicht wollen sie ihre Statements aber nicht lesen.

Diether Klingelnberg, Chef des Verbands der Investitionsgüterindustrie und Aufsichtsratsvorsitzender des Maschinenbauunternehmens Klingelnberg, äußert sich denn auch nur ungern zum Thema: "Die beste Lösung wäre natürlich, wenn es keinen Krieg gäbe. Wenn es aber unbedingt sein muss, dann lieber einen Krieg jetzt als eine Hängepartie, die alles lähmt." Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, bringt das Dilemma der Unternehmer so auf den Punkt: "Uns allen fehlen die Informationen, um das wirklich zu beurteilen." Wenn es Indizien für die Möglichkeit einer friedlichen Lösung gebe, dann sei das immer der bessere Weg. Die USA aber hielten dies für aussichtslos - eine Einschätzung, die sehr ernst zu nehmen sei.

Auch die Organisatoren der Demonstration in Berlin spüren die Zurückhaltung deutscher Unternehmer: "In den USA und London sponsern Unternehmen große Leinwände, damit die Demonstranten auch die Kundgebungen im Rest der Welt verfolgen können", sagt Demo-Organisatorin Laura von Wimmersperg. Bei ihren Anfragen bei deutschen Unternehmen bekam sie dagegen immer dieselbe Antwort: "Wir wollen unsere Beziehungen zu den USA nicht gefährden."

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