Nur wenige Pillen-Kopisten börsennotiert
Die Billigmacher

Das vergangene Jahr werden die meisten Bayer-Aktionäre wohl so schnell wie möglich abhaken wollen. Erst die Skandale um das Bluter-Medikament Kogenate und den Cholesterin-Senker Lipobay, und dann ging ihnen auch noch ein dickes Geschäft durch die Lappen.

DÜSSELDORF. Als im Herbst vergangenen Jahres die ersten Milzbrand-Briefe für Aufregung sorgten, hatte Bayer als einziger Pharmaproduzent mit Ciprobay ein zugelassenes Medikament zur Behandlung des Erregers in petto. Doch aus dem unerwarteten Zusatzumsatz von geschätzt einer Milliarde US-Dollar wurde nichts. Nach harten Verhandlungen hat der Leverkusener Pillendreher Ciprobay mit hohem Rabatt an die US-Regierung abgegeben.

So genannte Generikaanbieter warten nur auf solch eine Chance. Sie ahmen ein Präparat nach und verkaufen es zu einem Bruchteil des Originalpreises. Zwar hatte Bayer auf seinen Patentschutz bis 2003 gepocht, doch besondere Ereignisse hätten dann wahrscheinlich auch besondere Maßnahmen begründet.

Ohne Zweifel: Bei patentgeschützten Medikamenten sind hohe Spannen üblich. Binnen 20 Jahren müssen die Pharma-Entwickler schließlich ihre hohen Forschungsausgaben wieder hereinholen. Doch pünktlich zum Tag des Patentablaufs bauen die Generikahersteller das Präparat nach und bringen es bereits auf den Markt - dank geringerer Kosten mit einem hohen Preisabschlag. "In den USA und Großbritannien fällt der Preis innerhalb der nachfolgenden sechs Monate nicht selten um 70 bis 80 Prozent, in Deutschland sind es zwischen 30 bis 35 Prozent in zwölf Monaten", weiß Gerrit Jost, Analyst bei der BHF-Bank.

Kein Wunder, dass Generikahersteller der Schrecken der Pharma-Aktionäre sind. Als zum Beispiel Ende vergangenen Jahres der US-Konzern Bristol-Myers Squibb den Patentablauf für sein Diabetes-Mittel Glucophage bekannt gab, war damit gleichzeitig eine Warnung vor nachlassenden Gewinnen verbunden.

Doch Anleger sollten die Chancen sehen. "Generika-Hersteller sind eine Alternative für ein Pharma-Portfolio, weil sich die Branchenentwicklung damit hedgen lässt", empfiehlt Andreas Theisen, Analyst bei WestLB Panmure, der erst vor wenigen Tagen eine Studie zum Generika-Unternehmen Stada veröffentlicht hat. "Wenn sich der Produktlebenszyklus für den Patentinhaber dem Ende zuneigt, fängt er für den Generika-Produzenten erst an - obwohl es um das gleiche Produkt geht."

Und die Perspektiven für die Nachahmer sind so gut wie nie. Bis 2005 verlieren etliche umsatzstarke Medikamente, die so genannten Blockbuster, ihren Patentschutz. Auf diese Weise wird nach Branchenschätzungen allein in den USA ein Umsatz von 30 Milliarden Dollar "frei". Auch wenn der Preis gegenüber dem Original-Präparat rapide in sich zusammenfällt, rechnen Analysten damit, dass davon immerhin 7 bis 8 Millarden übrig bleiben, die der Branche einen Wachstumsschub verleihen. Ebenso wie Theisen rät deshalb auch Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler: "Ich denke, die Nachahmer-Titel werden besonders gut laufen, weil sich der Markt besser entwickeln wird als der gesamte Pharma-Markt."

Allerdings sind die Möglichkeiten, in den Generikamarkt einzusteigen, begrenzt. Nur wenige der Pillen-Kopisten sind börsennotiert. Bei der Auswahl spielt es eine Rolle, in welchem Markt sie tätig sind. Der Markt in den USA ist hart umkämpft, dafür liegt der Pillenanteil der Nachahmerprodukte bei rund 80 Prozent. Doch viele Notierungen spiegeln hohe Zukunftserwartungen wider. Enttäuschungen sind dann nicht ausgeschlossen. Zudem ist das Prozessrisiko hoch. Erst vor kurzem hat Astrazeneca den Nachahmer Andrx und das deutsche Pharmaunternehmen Schwarz Pharma wegen der Patentschutzverletzung verklagt. In Deutschland liegt dagegen der Generikaanteil erst bei 30 Prozent. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. "Überall sind die Institutionen gefordert, im Gesundheitswesen Kosten zu senken, und mehr als bisher steht dabei auch die Pharmabranche im Fokus", glaubt Jost. "Davon sind auch die Generikahersteller betroffen." Viele Analysten glauben jedoch, dass davon die Großen der Branche, Hexal, Ratiopharm oder die börsennotierte Stada, eher profitieren werden. "Die mittel- und kleinständischen Generikahersteller werden vom Markt verdrängt, dass setzt dann dem Preiswettbewerb Grenzen", glaubt Scheunemann.

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