Nur wenige wollen USA militärisch unterstützen
Halbherzige „Koalition der Willigen“

Die von Präsident George W. Bush proklamierte "Koalition der Willigen" besteht neben Großbritannien und Spanien nur aus einem zerstreuten Häuflein. Zwar unterstützen nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell insgesamt 45 Länder die erwartete Militäraktion gegen den Irak.

HB DÜSSELDORF. Doch abgesehen von Australien, geht die militärische Unterstützung sympathisierender Staaten meist nicht über eine symbolische logistische Beteiligung hinaus.

Australien wird die USA in einem Krieg gegen den Irak aktiv mit 2 000 Soldaten unterstützen. Das erklärte Ministerpräsident John Howard am Dienstag nach einer Sondersitzung des Kabinetts in einer Fernsehansprache. Zu den Truppen, die bereits in der Golfregion stationiert sind, gehört eine Eliteeinheit mit 150 Soldaten. Zum Aufgebot zählen ferner 14 Jagdbomber, Transportschiffe und-flugzeuge. Howard sagte, er sei sich der Opposition in der Bevölkerung gegen einen Krieg bewusst. Seine Regierung habe jedoch eine Entscheidung getroffen, die im mittel- und langfristigen Interesse des Landes liege, so der Premier.

Auch Warschau will sich an einer Militäraktion gegen den Irak beteiligen - obwohl 61 % der Polen einen Krieg ablehnen. Präsident Aleksander Kwasniewski genehmigte in der Nacht zum Dienstag den Einsatz polnischer Soldaten. "Es gibt Momente, wo die Politiker nicht auf die öffentliche Meinung achten, sondern entscheiden müssen", so Kwasniewski. Die Entsendung soll auf 200 Spezialisten und bis zum 15. September begrenzt sein. Premier Leszek Miller sagte, die Truppen sollen vor allem für die Logistik und die Unterstützung der Alliierten eingesetzt werden. An Kampfhandlungen sollen die Polen nicht beteiligt werden. Momentan sind Teile der Eliteeinheit Grom in der Region stationiert, außerdem ist das Versorgungsschiff "Xawery Czernicki" im Persischen Golf unterwegs. Möglicherweise wird auch ein Anti- Chemiewaffen-Regiment nach Kuwait entsandt.

Acht europäische Regierungschefs stellen sich in einem Brief hinter die Politik der USA

Trotz starker Ablehnung in der Bevölkerung will sich auch die dänische Regierung an einem eventuellen Krieg im Irak aktiv beteiligen. Durch die Unterstützung der ausländerfeindlichen Dänischen Volkspartei ist der Mitte-rechts-Koalition von Premier Anders Fogh Rasmussen eine parlamentarische Mehrheit für den Einsatz eines U-Bootes sowie einer Fregatte sicher. Die Abstimmung soll am Freitag stattfinden. Beide Boote befinden sich schon seit einiger Zeit im Golf, da Dänemark bislang von einem durch die Uno legitimierten Einsatz ausgegangen war.

Rasmussen gehörte zu den acht europäischen Regierungschefs, die sich in einem gemeinsamen Brief hinter die Politik der USA gestellt und eine schwere Krise innerhalb der EU ausgelöst hatten. Der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Mogens Lykketoft, zeigte sich "erschüttert" vom Vorgehen der Regierung.

Die italienische Regierung, die von ihrer bedingungslosen Unterstützung der USA inzwischen abgerückt ist, will den Amerikanern ihre Militärstützpunkte zur Verfügung stellen und Überflugrechte gewähren. "Um der sensiblen öffentlichen Meinung in Italien entgegenzukommen, schicken wir keine Soldaten in den Krieg", erklärte Außenminister Franco Frattini am Dienstag.

Auch Bulgarien hat den USA lediglich logistische Hilfe wie die Nutzung des Armeestützpunkts Sarafovo zugesagt. Laut Parlamentsbeschluss dürfen bis zu 150 ABC-Experten in die irakischen Nachbarstaaten entsandt werden.

Auch Rumänien, Albanien, die Slowakei und Tschechien wollen sich im Kriegsfall vornehmlich mit ABC-Abwehrspezialisten beteiligen.

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