Nur wer gut für sich selbst sorgt und mental fit ist kann Entscheidungen von hoher Qualität treffen
Privilegien sind das Lebenselixier der Manager

Der Gärtner auf die Frage, ob er für den Bankdirektor arbeite: "Ach wissen Sie, er steht früh um sechs auf, schuftet in der Stadt bis nach acht abends, ohne den Duft der Rosen, ohne seine Frau, ohne den blauen Himmel und den Gesang der Amsel. Und das alles nur, um mein Gehalt bezahlen zu können. Nicht ich arbeite für ihn, nein, ich denke, er arbeitet für mich!"

Was sind Privilegien? Das Dienstflugzeug? Der eigene Aufzug in den zwanzigsten Stock? Die Einladung zum Heli-Skiing? In der Smoker?s Lounge im Grand Hyatt in Hongkong mit Namen begrüßt zu werden? Privilegien sind Belohnungen, Motivationsfaktoren, Statussymbole. Es sind Zeichen der besonderen Verdienste und der herausgehobenen Stellung in der Gesellschaft; sie ermöglichen, von Rechten Gebrauch zu machen, die anderen Menschen nicht zustehen. Den Senator-Status mit bevorzugter Behandlung und vielen Freiflügen erlangt man als Lufthansa - Kunde, wenn man 100 000 Flugmeilen pro Jahr bucht. Einen jährlich garantierten Logenplatz in Wimbledon erhält der Vertreter des wichtigsten Kunden vom Lieferanten; zu Preisen und Orden kommt man durch einen hohen Bekanntheitsgrad und persönliche Mentoren.

Neider halten Privilegien für äußerst ungerecht. Sie unterstellen den Privilegierten, dass sie sich schamlos bereichern, schnorren, mit Vergnügen auf Kosten anderer leben. Ihre Phantasien gehen dahin, dass die Unternehmerin, dass der Topmanager aufgrund ihrer oder seiner guten Beziehungen die besten Jobs ergattert, dort auf der faulen Haut liegt, bei Geschäftsreisen unter Palmen Fehlentscheidungen trifft und dann mit einer satten Abfindung sein Leben erst recht genießt.

Die Bevorzugten selbst fühlen sich eher wie der Bankdirektor und manche würden gar gern von Zeit zu Zeit mit dem Gärtner tauschen. Sie kennen nur ihre Arbeit, sind zu beschäftigt, um es sich gut gehen zu lassen; zu skrupulös, um zu genießen; zu sparsam, das verdiente Geld auszugeben; zu ungeschickt, ihre Optionen auszunutzen. Dabei hilft es niemandem, wenn Führungskräfte sich selbst ausbeuten und ihre Erschöpfung wie eine Trophäe vor sich her tragen. Im Gegenteil!

Lebensfreude ist das Elixier, das Spitzenleute täglich genießen sollten, aus vernünftiger Sorge für sich selbst und auch, um im Job ihre Kreativität und Frische als verantwortungsvolle Managerin oder als Unternehmer zu erhalten. Sie sollten:

  • nicht nur im Flughafenhotel der fernen Stadt eilig die Verhandlung führen, sondern eine Sehenswürdigkeit dort besuchen oder entlang des Flussufers spazieren gehen,
  • das Restaurant für das Business Dinner nicht nur nach Lage und Preis, sondern auch nach der persönlichen Vorliebe für ein Ambiente oder eine bestimmte Küche wählen,
  • bei Konferenzen und Seminaren jeden Tag einige Stunden für persönliche Wellness-Aktivitäten nutzen,
  • eine attraktive Einladung mit halb-privatem Charakter unbedingt annehmen - und einen Business-Termin dafür streichen,
  • möglichst viele Privilegien annehmen und sie auch auskosten,
  • die Sekretärin bitten, täglich frische Früchte und Blumen zu besorgen sowie ein schönes Gedicht in die Tagesmappe zu legen,
  • Ihr Privileg, mit einem Chauffeur zu fahren, nicht mit Telefonieren und Aktenstudium verplempern, sondern die Landschaft anschauen und Ihre Lieblings-CD hören,
  • trostlose Hungerstiller wie Flugzeug-Snacks kategorisch ablehnen; Sie können es sich leisten, für erwählte Genüsse zu sorgen und notfalls eine Dose Kaviar mitzunehmen.

Nur wenn Sie gut für sich selbst sorgen, sind Sie mental fit und können Entscheidungen von hoher Qualität treffen. Plagt Sie das schlechte Gewissen, weil es anderen so viel schlechter geht, dann ist sowohl Ihnen wie auch den Armen am besten gedient, wenn Sie Ihre Privilegien in vollen Zügen genießen und gleichzeitig gut gelaunt und äußerst großzügig spenden - für gute Zwecke. Niemand profitiert, wenn Sie die Gelegenheiten für Genuss und Wohlbefinden ungenutzt vorbeiziehen lassen.

Die schönsten Privilegien sind allerdings weder für Geld noch für erbrachte Leistungen zu haben, sind ebenso unverdient wie vergänglich. Ein Sonnentag, ein Kunstwerk, ein gutes Gespräch, ein bequemer Stuhl, eine köstliche Tasse Tee, das Gefühl, gesund und leistungsfähig zu sein. Da diese alltäglichen Dinge allen zur Verfügung stehen, liegt das Privileg darin, ihre wohltuende Wirkung wahr zu nehmen. Denn die schönsten Privilegien entstehen allein durch die Fähigkeit zu genießen. Wenn wir unsere Privilegien auf diese Weise wahrnehmen, bereichern sie unser Leben und stimulieren Dankbarkeit und Großzügigkeit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein genussreiches, privilegiertes Jahr 2002!

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