Nur zu medizinischen Forschungszwecken
Briten wollen Klonen menschlicher Embryos erlauben

Das therapeutische Klonen mit Stammzellen von menschlichen Embryonen sollte nach Ansicht der führenden wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung künftig erlaubt werden.

dpa LONDON. In einem Bericht, der am Mittwoch in London vom Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde, wird eine strenge Kontrolle solcher Forschungsprojekte in Großbritannien zugesichert und das Verbot des Klonens von Menschen bekräftigt.

Ob der Weg für das therapeutische Klonen tatsächlich frei gemacht wird, hängt vom britischen Parlament ab, in dem im Herbst ohne Fraktionszwang entschieden werden soll. In Deutschland ist es nach dem Embryonen-Schutzgesetz verboten. In Großbritannien kündigten Anhänger religiöser Gruppen und andere Gegner des Eingriffs in die Erbsubstanz des Menschen Widerstand gegen die mögliche Gesetzesänderung an.

Beim therapeutischen Klonen geht es darum, Stammzellen eines wenige Tage alten menschlichen Embryos zu nutzen, aus denen fast jede Art menschlichen Gewebes einschließlich Nerven, Muskel, Blut und Knochen entstehen kann. Entscheidend ist, dass die britischen Wissenschaftler versuchen wollen, solche Stammzellen aus dem Patienten zu gewinnen, der das Transplantat benötigt. Sollte er ein Organ erhalten, das sich aus der eigenen Stammzelle entwickelt hat, würde das Abstoßungsrisiko verhindert. Damit würden nach Ansicht der Wissenschaftler möglicherweise Therapien für bisher kaum oder schwer behandelbare Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson möglich.

Medizinisches Neuland

"Die Forschung mit Stammzellen eröffnet medizinisches Neuland", sagte der höchste britischen Gesundheitsbeamte Prof. Liam Donaldson bei der Vorlage des Berichtes. "Wir schlagen vor, dass diese Möglichkeiten genutzt werden, während strengste und umfassende Kontrollen sicher gestellt sind. Ganz besonders wird das reproduktive Klonen, also das Klonen einzelner Menschen, auch weiterhin verboten sein." Ein menschlicher Embryo dürfe beispielsweise nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt werden. Jede Verwendung des Klonen zur Fortpflanzung bleibe untersagt. Embryos, die weniger als 14 Tage alt seien, könnten dann jedoch zur Forschung benutzt werden. Die Forschung an Embryonen bis zum 14. Tag ist in den USA erlaubt.

Donaldson zeigte sich überzeugt, dass ein illegales Klonen verhindert werden kann. "Wir sind ein kleines Land und kennen die Kapazitäten unserer Forscher sehr gut. Wir wissen, was sie tun. Es ist ziemlich undenkbar, dass das (unerlaubte Klonen) passieren könnte." In Großbritannien gibt es bisher kein Gesetz, mit dem das Klonen von Menschen ausdrücklich verboten wird. Allerdings hat die Behörde, die jede Forschung mit Embryonen genehmigen muss (Human Fertilisation and Embryology Authority) bisher erklärt, sie werde keinerlei Klonen von menschlischen Zellen erlauben, bis der Gesetzgeber diese Frage regelt.

Forschung ist Jahrzehnte vom Züchten ganzer Organe entfernt

"Wir mögen noch mehrere Jahrzehnte vom Züchten ganzer Organe für Transplantationen entfernt sein, aber die Herstellung von menschlichen Nervenzellen zur Behandlungen von Menschen mit Parkinson-Krankheit könnte zu den raschen Ergebnissen dieser Forschung sein, wenn sie erlaubt wird", sagte Diana Dunston vom Medical Research Council.

"Es gibt ein wirkliches und tief sitzendes politisches Unwohlsein über viele der neuen medizinischen Techniken, die heutzutage möglich sind", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der oppositionellen Konservativen, Liam Fox. Er persönlich werde daher gegen die Möglichkeit zum Klonen mit menschlichen Stammzellen stimmen. In einer Erklärung der Organisation "Life", die das Klonen vehement ablehnt, heißt es: "Dies ist eine weitere Entwürdigung des Lebens. Dies ist Neo-Kannibalismus."

In Deutschland diskutieren mehrere Ministerien derzeit eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes. "Wir bleiben dabei, das Embryonenschutzgesetz zu überprüfen - ohne Schnellschuss", hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Wolf- Michael Catenhusen bereits am Dienstag gesagt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das therapeutische Klonen in Deutschland ohne eine Gesetzesänderung möglich wird." Nach Auskunft von Catenhusen dürfen entsprechende Zellen nach Deutschland eingeführt werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft prüfe jedoch gerade, ob an ihnen mit staatlichen Mitteln dann auch geforscht werden kann.

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