Nur Zusatznutzen (Added Value) kann den Erfolg von M-Commerce sichern
M-Commerce: Top oder Flop?

Bei den großen Telekommunikationsanbietern spielen Partnerschaften keine so große Rolle, sondern aggressive Akquise. Dies wird sich trotz der möglichen UMTS-Kooperationen nicht ändern, da man hier ausschließlich Infrastrukturkosten sparen möchte.

Ziel ist die Optimierung der Kernprozesse, Synergieeffekte und Reduzierung der hohen Fixkosten. Mobile Anbieter werden nicht mehr nur reine Sprachdienst-Anbieter, sondern bekommen eine aktive Rolle mit inhaltlichen Diensten und fungieren als Portale für mobile Terminals. Der Vorteil von mobilen Anbietern ist der, dass sie bereits eine große Anzahl von Kunden besitzen, die die Internet-Teilnehmer bei weitem überbietet. Allerdings hat man sich leider mit den noch vorhandenen Problemen zu wenig beschäftigt:

- zu wenig Inhalt - zu wenige Anwendungen
- zu wenig WAP-fähige Geräte
- keine ausreichende Security für Geschäftsanwendungen
- zu hohe Kosten für den Endanwender
- nicht ausreichende Performance
- zu langer Verbindungsaufbau

Diese ungelösten Probleme haben bislang einen Durchbruch von M-Commerce verhindert. Die Dienste die vorhanden sind, werden zu wenig genutzt, um Rentabilität bzw. einen Return-of-Investment (ROI) sicherstellen zu können. Aus diesem Grund ziehen sich auch einige große Anbieter (wie z.B. Amazon) wieder aus diesem Geschäftsfeld zurück. Die Bandbreite ist in den meisten Fällen zu gering: WAP auf GSM-Basis zu nutzen (transparente Datenrate 9,6 kBit/s) ist nicht sehr handhabungsfreundlich. Um die Bandbreitenengpässe zu lösen, sind HSCSD (High Speed Cicuit Switching Data) und General Packet Radio Service (GPRS) als Zwischenschritt auf dem Weg zu UMTS eingeführt worden, die allerdings die Kapazitäten heutiger Netze oftmals überfordern.

Ebenfalls ein starker Hindernisgrund ist die Sicherheit von geschäftlichen Transaktionen über das Handy. Bislang fehlt es an Standards und Implementierungen. Ansätze gibt es allerdings bereits, wie die Authentisierung über die Handy-Chipkarte und Verschlüsslung über WAP. Hinzu kommt, dass M-Commerce-Anwendungen kein 1:1-Abbild von E-Commerce-Anwendungen sind. Dies wird oftmals vergessen! Gefragt ist Interaktivität, Informationsaktualität im Minutentakt und Standorterkennung. Gerade bei letzteren sind aus datenschutzrechtlichen Gründen noch keine Lösungen vorhanden, obwohl es bereits einige Anwendungsmöglichkeiten gibt. Dies muss und wird sich in Zukunft ändern.

Laut einer aktuellen Studie (The European E-Commerce Software Market) von Frost & Sullivan wird der Umsatz des europäischen Marktes für E-Commerce-Software bis 2007 auf 2,5 Milliarden Dollar ansteigen. Im Jahr 2000 war der Umsatz bereits auf 534 Millionen Dollar gestiegen. Somit bleibt E-Commerce auch in Zukunft ein großer Wachstumsmarkt. Von M-Commerce lassen sich trotz vorhandener Defizite auch in der Zukunft allerdings noch höhere Wachstumsraten erwarten. Denn M-Commerce wird sich viel schneller entwickeln, als E-Commerce dies getan hat, allein durch die schon bestehende hohe Nutzung der Datendienste und die größere Anzahl von Teilnehmern.

Mit M-Commerce wird den Netzbetreibern die Chance geboten, sich von anderen Netzbetreibern hervorzuheben, aber sie müssen diese Chance auch ergreifen und vom einfachen Anbieter der reinen Infrastruktur für Sprach- und Daten-Dienste zum Anbieter von Diensten und auch Inhalten werden. Mobile Portale und spezielle Lösungen für den Kunden müssen in das System integriert werden. Dies alles kann natürlich nur geschehen, wenn die Hersteller entsprechende WAP-Gateways und Microbrowser-fähige Smartphones zur Verfügung stellen. Dies geschieht im Moment mit Nachdruck und die Innovation in der Mobilfunk- und Internet-Industrie ist sehr groß. Aber es werden auch falsche Erwartungen geweckt, die die Verfügbarkeit von Geräten und Funktionen betrifft.

Man darf die Defizite letztendlich nicht unterschätzen bzw. man sollte den wirklichen Nutzen (Added Value) herausarbeiten, wenn man erfolgreich M-Commerce anbieten will. Die Zukunft bleibt also auf jeden Fall spannend und ist, da sind sich ja auch alle einig, mobil!

Schreiben Sie dem Autor: detken@decoit.de

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