Nur zweites Standbein neben der Werbung
Experten halten Umsatzpotenzial für Paid Content begrenzt

Das Umsatzpotenzial für kostenpflichtige Angebote im Internet ist nach Einschätzung von Branchenvertretern und Medienexperten begrenzt und dürfte vielen Online-Firmen lediglich als zusätzliche Einnahmequelle dienen.

Reuters HAMBURG. "Zum großen Teil müssen sich die Online-Angebote weiter über Werbung finanzieren", erläuterte Jörg Bueroße, Vorstandschef des Online-Vermarkters Tomorrow Focus AG, am Montag auf dem Medienkongress "Hamburger Dialog". Kostenpflichtige Inhalte würden auch in vier bis fünf Jahren nur etwa zehn Prozent der Internetumsätze eines Verlages ausmachen, schätzte er. Auch Henrik Hörning von der Unternehmensberatung Detecon sieht Paid Content höchstens als zweites Standbein neben der Werbung im Internet. "Ich glaube, dass die Umsatzperspektiven von Paid Content überschätzt werden." Eine Prognose über den künftigen Umsatzanteil wollte er nicht wagen.

Immer mehr Verlage verlangen nicht nur für das Archiv ihrer Publikationen Geld im Internet, sondern auch für Inhalte wie bestimmte aktuelle Artikel, Exklusivinterviews, Testberichte oder andere Mehrwehrtangebote. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) rechnet in diesem Jahr mit einer Verdreifachung der Paid-Content-Einnahmen in Deutschland auf 45 (2002 geschätzt: 14) Millionen Euro. Bis 2005 soll das Volumen auf 127 Millionen Euro steigen. Doch die Internet-Nutzer sind oft nur zur Zahlung von kleinen Beträgen für Internet-Inhalte bereit, wie erste Ergebnisse einer VDZ-Studie zu dem Thema zeigen. "Die persönliche Preisbereitschaft für Pay-per-use-Angebote im Internet liegt bei rund einem Euro, bei Abo-Angeboten bei etwa 3,50 Euro", erläuterte VDZ-Experte Alexander von Reibnitz. Die Zahlungsbereitschaft sei bei Angeboten für das Herunterladen von Videos, Musiktiteln oder Spielen am größten.

Bei der Preisgestaltung ihrer Internet-Angebote folgten die Verlage noch keiner Strategie, sondern entschieden das oft aus dem Bauch heraus, wie Tomorrow-Focus-Chef Bueroße zugab. Dabei gebe es auch Beispiele für eine geringe Preissensibilität der Kunden. So habe Tomorrow Focus die Preise für den Zugang zu einer Datenbank über anstehende Zwangsversteigerungen in Deutschland oder für die Berechnung der Unterhaltszahlungspflicht im Scheidungsfall jeweils verdoppelt, ohne einen Rückgang der Nutzung festzustellen.

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