Nutzen für Sicherheit oder Raser? - Kontra zu Fallenstellerei zugunsten klammer kommunaler Kassen
"Blitzer-Atlas": Neuauflage ist heiß umstritten

Deutschlands Autofahrer haben ihn zu einem "Bestseller" gemacht - den "Autoatlas Bundes-Blitzer". Die Neuerscheinung war so gefragt, dass die Startauflage von 40 000 Exemplaren schon eine Woche nach Erscheinen ausverkauft war.

ddp/vwd BERLIN. Jetzt ist die nächste Auflage des vielfach heiß diskutierten Werkes im Handel, wie Autor Hans Biermann sagte. Doch warum ist der Blitzer-Atlas so begehrt und auch umstritten?

Erstmals listet er bundesweit die allseits bekannten und von vielen Autofahrern gefürchteten "Starenkästen" mit ihren Standorten auf. Rund 2 500 solch "stationären Überwachungsanlagen vor Unfallschwerpunkten", wie sie amtlich heißen, gibt es. Mit ihrer Hilfe sollen eigentlich Rotlicht- und Tempo-Sünder der Strafe zugeführt werden. Doch leider wird das Bußgeld, das eigentlich vor weiterem Fehlverhalten abhalten soll, immer öfter benutzt, die Autofahrer stärker zur Kasse zu bitten und die klammen kommunalen Kassen "planmäßig" aufzubessern, wie manch Betroffener klagt.

Denn die "Starenkästen" stehen nicht nur an Unfallschwerpunkten wie Kreuzungen, Fußgängerüberwegen und Schulen, sondern auch an verkehrsarmen Straßen oder Industriegebieten, wo eine geringfügige Überschreitung eines Tempolimits relativ ungefährlich erscheint. Auch an Autobahnen und Schnellstraßen, die erwiesenermaßen mit die geringsten Unfallzahlen aufweisen, sind sie zu finden. Dann sprechen viele von "Fallenstellerei" - ein Vorwurf, dem selbst manche Polizeibeamte zustimmen, wie die Zeitschrift "ACE Lenkrad" anmerkt.

Biermannn will vor solch teuren stationären Radarfallen "warnen". "Die offizielle Begründung für Blitzanlagen lautet, sie würden an Unfallschwerpunkten aufgestellt", sagte er. "Wenn das so ist, warne ich mit dem Atlas vor gefährlichen Streckenabschnitten", lautet sein Argument. Das sei also ein Beitrag zur Verkehrssicherheit. Gegner des Atlasses wie bei der Gewerkschaft der Polizei halten ihn dagegen für unsinnig. Dadurch würden nur gefährliche Raser geschützt. Ein erboster Zeitungsleser äußerte in einer Zeitschrift, die Ordnungskräfte seien doch nur unterwegs, um dem "munteren Treiben der Straßenrowdys" Einhalt zu gebieten. Kriminelle Raser betrieben in falsch verstandener Freiheit rücksichtslos "eigenes egoistisches Wollen".

"Viele Blitzer werden nur installiert, um die Leute abzukassieren", hält Biermann dem entgegen. Ein Blick in den Atlas gibt ihm offenbar recht. Denn die "staatliche Gefahrenabwehr" ist örtlich und regional sehr ungleich verteilt, betont der Autoclub ACE. Im norddeutschen Raum seien wenig Blitzer zu finden, während es im Süden Deutschlands davon regelrecht wimmele. So zeigt die Karte zwischen Friedrichshafen und Konstanz am Bodensee fast zwei Dutzend Blitzer. Rekordhalter ist die Kommune Ostfildern nah dem Stuttgarter Flughafen. Dort sind laut ACE allein 16 Anlagen rund um die Uhr in Betrieb. Auch ein West-Ost-Gefälle gebe es nicht. In Leipzig sind zumindest 22 Starenkästen anzutreffen, in Dresden 16. Mannheim bringe es auf 18, Stuttgart auf ein Dutzend.

Besonders betroffen von Starenkästen in Kommunen und an Fernstraßen sind meist nichts argwöhnende Besucher oder Durchreisende. Denn "Einheimische" und Vielfahrer kennen die "gefährlichen Stellen", an denen die Blitzer stehen, ohnehin längst und fahren dort entsprechend vorsichtig - ganz im Sinne von Atlas-Autor Biermann. Keine Warnung kann der Blitzer-Atlas allerdings für die mobilen Einsatzgeräte der Polizei geben. Experten schätzen deren Zahl auf mindestens auf 1 500. An Unfallschwerpunkten sind sie Experten zufolge auch gerechtfertigt, um Tempo- und Rotlicht-Sünder zur Verantwortung zu ziehen. Fraglich werde das Vorgehen spätestens dann, wenn sie auf freier Strecke postiert sind - nicht Gefahren vorbeugend, sondern nur geldeintreibend.

Aktualisierungen zum Atlas sind online abrufbar.

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