Nutzfahrzeug-Geschäft beschert MAN Gewinnanstieg
MAN übertrifft die Erwartungen

Getrieben durch eine Erholung seines zuletzt krisengeschüttelten Nutzfahrzeuggeschäfts hat der Münchener MAN-Konzern im zweiten Quartal bei einem leichten Umsatzminus einen unerwarteten Gewinnanstieg verbucht.

Reuters MÜNCHEN. Die Geschäfte von April bis Juni seien deutlich besser als im Auftaktquartal 2002 verlaufen, teilte der Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer am Dienstag mit. Ausschlaggebend für das gute Abschneiden sei der Bereich Nutzfahrzeuge gewesen, der eine schwarze Null geschrieben habe.

Der Konzerngewinn vor Steuern (Ebit) sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22 % auf 78 Mill. ? gestiegen. Der Umsatz sank hingegen leicht auf 3,837 (3,979) Mrd. ?, während der Auftragseingang auf 4,067 (3,927) Mrd. ? zulegte. Analysten zufolge lagen die Zahlen klar über den Erwartungen. Die MAN-Aktie verbuchte deutliche Kursgewinne und führte mit einem Plus von knapp fünf Prozent auf mehr als 19 ? im Handelsverlauf die Liste der Gewinner im Deutschen Aktienindex (Dax) an.

Obwohl mehrere Analysten eine Korrektur der Jahresprognose nicht ausgeschlossen hatten, bekräftigte MAN das Ziel, Umsatz und Auftragseingang zwischen 15,5 und 16,0 Mrd. ? zu halten. Das Ergebnis vor Steuern von 213 Mill. ? aus dem Vorjahr solle 2002 wie angekündigt übertroffen werden. MAN-Chef Rudolf Rupprecht räumte allerdings ein, hierfür seien stärkere Anstrengungen als geplant nötig. Dennoch gelte die Prognose auch, wenn es im zweiten Halbjahr zu keiner wirtschaftlichen Belebung komme, sagte Finanzchef Ferdinand Graf von Ballestrem.

MAN - Nutzfahrzeugsparte sorgt für gutes Ergebnis

Analysten hatten im Mittel mit einem Umsatz von 3,621 Mrd. Euro und einem Ebit von 20 Mill. ? gerechnet. MAN schnitt klar besser ab als im ersten Quartal, als Sonderbelastungen dem Konzern ein Minus von 75 Mill. ? beschert hatten. Nach wie vor gibt es auf dem weltweiten Nutzfahrzeug-Markt keine Impulse. Zudem leidet MAN im Maschinenbau-Bereich unter den Insolvenzen des einstigen Kunden Babcock Borsig sowie Fairchild Dornier.

Die nun positive Entwicklung bei den Nutzfahrzeugen sei vor allem von MAN Lkw getragen worden, hieß es. Die Tochter ERF und das Busgeschäft hätten Verluste eingefahren. Die Industriellen Dienstleistungen und Dieselmotoren konnten 24 Mill. ? beziehungsweise 20 Mill. ? Vorsteuergewinn verzeichnen. Auch die Druckmaschinen-Tochter MAN Roland schrieb schwarze Zahlen.

MAN will die Restrukturierung bei Bussen ausweiten

"Die MAN-Zahlen waren für jeden eine positive Überraschung", sagte ein Frankfurter Händler. Analysten werteten die Ergebnisse als klar über den Erwartungen. Ralf Dörper von der WestLB wies aber darauf hin, dass das Erreichen der Prognose 2002 stark von der weiteren Entwicklung der Wirtschaft abhänge. Dennoch sei es möglich. Die Analysten von M.M. Warburg erklärten, trotz der Verluste im Busbereich habe MAN womöglich im Nutzfahrzeugbereich "das Tal durchschritten".

Der im Vorjahr angekündigte Abbau von 6000 Stellen zur Kostensenkung wurde MAN zufolge bereits weitgehend umgesetzt. Zum 1. Juli habe sich die Beschäftigten-Zahl im Vergleich zum Jahresbeginn 2001 um 4400 verringert. 3500 hiervon entfielen auf die Nutzfahrzeug-Sparte. Im Busbereich würden die Anstrengungen, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben, erheblich verstärkt. MAN Bus und Neoplan würden zusammengeführt, die Identität beider Marken aber beibehalten. Die Kosten sollten erheblich verringert werden. MAN-Chef Rupprecht deutete an, ein Stellenabbau über die bislang angekündigten 6000 Jobs sei nicht völlig auszuschließen. Hierbei werde aber nicht an Kündigungen gedacht. Betroffen könnten etwa MAN Roland oder auch die Nutzfahrzeugsparte sein.

Analyst: MAN ist bei Restrukturierung auf Kurs

"Sie fahren den Restrukturierungskurs und kommen planmäßig voran - das ist das Entscheidende", resümierte Uwe Jech von der Bankgesellschaft Berlin. Es sei ein gutes Zeichen, dass MAN nun beispielsweise im Busbereich härter durchgreife. "Das halte ich durchaus für richtig." Mit weiteren bösen Überraschungen aus dem Bereich Technologie rechnet Rupprecht in den kommenden Quartalen nicht mehr. Derzeit werde versucht, in der Sparte das Geschäftsvolumen zu reduzieren.

Für 2002 rechnet MAN wie angekündigt bei Bussen mit einem Minus "im oberen zweistelligen Millionenbereich". Zudem werde das Konzernergebnis von MAN Technolgie und einem schwächeren Druckmaschinengeschäft belastet. Dem gegenüber stünden aber die positive Entwicklung bei Lkw sowie gute Ertragsaussichten in den meisten anderen Geschäftsfeldern. 2003 wolle sich MAN dem Ziel einer Rendite von 15 % auf das eingesetzte Kapital und fünf Prozent vom Umsatz wieder annähern.

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