Nutzung muss mehr als 50% der Tätigkeit betragen
BFH klärt Steuerabzug für das Arbeitszimmer

Seit 1996 ist der Abzug von Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer gesetzlich beschränkt. Grundsätzlich sind sie gar nicht mehr abziehbar.

HB DÜSSELDORF. Seit 1996 ist der Abzug von Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer gesetzlich beschränkt. Grundsätzlich sind sie gar nicht mehr abziehbar. Bis zu 1 250 Euro dürfen jedoch abgezogen werden, wenn die Arbeitszimmernutzung mehr als 50 % der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit ausmacht oder wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Keine Einschränkung gilt, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jetzt fünf Entscheidungen in Streitfällen getroffen, in denen die Steuerpflichtigen argumentierten, sie hätten für die berufliche Tätigkeit keinen anderen Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer zur Verfügung gehabt.

Im ersten Fall ging es um das häusliche Arbeitszimmer eines TÜV-Sachverständigen mit Tätigkeiten im Außendienst. Einen ihm zugeteilten festen Arbeitsplatz in dem Großraumbüro der TÜV-Station hatte er nicht; einen Großteil seiner Tätigkeit verrichtete er darüber hinaus im Außendienst. Vor dem BFH unterlag er nun gegenüber dem Finanzamt. Der BFH entschied, dass der wechselnd von verschiedenen Prüfern genutzte Schreibtisch im Großraumbüro als "Arbeitsplatz" für seine berufliche Tätigkeit ausreicht und der Kläger deshalb einen Arbeitsplatz in der TÜV-Station für seine Tätigkeit hatte. (Az.: VI R 17/01).

Anders entschied der BFH im Fall eines Grundschulleiters, dessen Dienstzimmer in der Schule ihm außerhalb der Unterrichtszeit und in den Ferien nicht unbeschränkt zur Verfügung stand. Zudem fehlten dort Computer und Bibliothek für die Lehrtätigkeit. Der BFH sprach dem Dienstzimmer in der Schule die Eignung für die Lehrtätigkeit ab und bewilligte deshalb den begrenzten Abzug der Arbeitszimmerkosten (Az.: VI R 16/01). Ähnlich judizierte er für das Arbeitszimmer einer Grundschulleiterin, die bei einem eigenen Lehrpensum von 18 Wochenstunden in der Schule nur einen Arbeitsplatz im Schulsekretariat für Verwaltungstätigkeiten, nicht aber zur Unterrichtsvorbereitung hatte (Az.: VI R 118/00).

Zu Gunsten eines EDV-Organisators, der außerhalb seiner regulären Arbeitszeit vom häuslichen Arbeitszimmer aus per Telefon und Teleservice Bereitschaftsdienst leistete, stellte der BFH fest, dass der begrenzte Arbeitszimmerabzug in Betracht komme, weil der Steuerpflichtige seinen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber tatsächlich nicht nutzen konnte (Az.: VI R 41/98).

Im letzten Fall hatte ein Bankangestellter als Leiter der Auslands- und Wertpapierabteilung einen Arbeitsplatz in der Schalterhalle der Sparkasse, leistete jedoch 400 von 550 bezahlten Überstunden zu Hause in seinem Arbeitszimmer. Der BFH sprach den Abzug zu unter der Voraussetzung, dass die durch die Überstunden entlohnte Tätigkeit nach den Öffnungszeiten der Bank nur außerhalb des dortigen Arbeitsplatzes hätte ausgeübt werden können (Az.: VI R 162/00).

BFH: VI R 118/00, 16/01, 162/00, 17/01, 41/98

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