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NZZ entdeckt den Sonntag

Der Sonntag ist für Leser kein Ruhetag mehr. Im Gegenteil, am siebten Tag der Woche besteht ein wachsendes Bedürfnis nach Nachrichten und Hintergründen.

Von diesem Wechsel im Medienverhalten ist die konservativ-liberale Neue Züricher Zeitung (NZZ) überzeugt: Das 1780 gegründete Weltblatt aus der Schweiz startet ab Mitte März eine Sonntagsausgabe. Es soll eine farbige, elegante Zeitung mit modernem Layout werden. Ein "intelligentes Lesevergnügen" wird versprochen.

Das klingt alles ein wenig nach der Ende September gestarteten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Tatsächlich ähneln sich beide Projekte durchaus, gibt der Redaktionschef der NZZ am Sonntag, Felix E. Müller, offen zu. Dennoch habe man in der Planungsphase keine Ahnung von ähnlichen Überlegungen in Frankfurt gehabt.

Obwohl die Sonntags-FAZ an den Kiosken in der Schweiz erhältlich ist, werden sich die beiden Zeitungshäuser nicht ins Gehege kommen. Denn die NZZ konzentriert sich auf die Schweiz. Alle 150 000 eidgenössischen Abonnenten erhalten die Sonntagsausgabe erst einmal für rund ein Jahr gratis. Die rund 23 000 Abonnenten im Ausland - selbst im grenznahen Bayern und Baden - gehen hingegen leer aus. Die Vertriebsprobleme scheinen den Zürichern zu groß. Zudem hätte die Aktualität durch einen noch früheren Redaktionsschluss am Samstag gelitten. Der derzeit schwierige Anzeigenmarkt in der Schweiz bremst den Ehrgeiz der NZZ nicht. Schließlich müssen erst in 8 bis 10 Jahren schwarze Zahlen geschrieben werden, heißt es in Zürich. Kein Wunder, denn langfristiges Denken war seit jeher das Erfolgsrezept des traditionsreichen Zeitungshauses.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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