Ob bei Liebeserklärungen oder Terminabsagen
SMS erleichtern die Kommunikation und könnten die Sprache revolutionieren

ILIDI - für "Ich liebe Dich" schreibt der moderne Mann seiner Angebeteten schnell und bequem per SMS. Und die Botschaft wird nicht leise ins Ohr geflüstert, sondern kündigt sich mit einem schrillen Klingelton an. Über Handys verschickte Kurznachrichten liegen im Trend.

ddp MAGDEBURG. Nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers Peter Schlobinski von der Universität Hannover könnte sich die Modeerscheinung langfristig als sprachliche Revolution erweisen.

Keine andere Kommunikationstechnologie der Menschheit habe sich in so kurzer Zeit durchgesetzt, wie das sogenannte "Simsen", sagte Schlobinski auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS ) in Magdeburg. Quer durch alle Gesellschaftsschichten und in vielen geographische Regionen seien SMS inzwischen verbreitet. Weltweit die erste Kurznachricht wurde im Jahr 1992 in Großbritannien verschickt. Bereits in diesem Jahr beläuft sich das SMS-Aufkommen in Deutschland nach Schätzung der Gfds auf rund 14 Milliarden. Die am häufigsten verschickte Nachricht soll dabei die Abkürzung HDGDL sein, die für "Hab dich ganz doll lieb" steht.

Obwohl SMS vor allem von Jugendlichen genutzt werden, erfreut sich die kurze und schnelle Kommunikation auch bei Älteren wachsender Beliebtheit. Gründe, weshalb Menschen in bestimmten Situationen das "Simsen" dem Telefon, E-Mails, Briefen oder dem direkten Gespräch vorziehen, sind vielfältig. So werden SMS laut einer Umfrage unter anderem als Notruf-Säule, als Erinnerungszettel, zum Zeitvertreib, zum unkomplizierten Mitteilen von Nachrichten wie "Ich komme später" oder als Flirtmöglichkeit genutzt.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Spezielle am «Simsen», dass sich schriftliche und mündliche Sprache auf eine neue Art und Weise vermischen und dadurch neue Kommunikationsformen entstehen. Schlobinski bezeichnet die Erfindung der Kurznachricht deshalb auch als «Zweite Gutenberg-Revolution». Die Kritik, dass es dabei zum Sprachverfall kommen könne, entkräftet der Wissenschaftler. Zwar sei es richtig, dass beim "Simsen" die Umgangssprache und damit auch grammatikalische und lexikalische Fehler stärker als zuvor Einzug in die Schriftsprache halten. Gleichzeitig sei aber zu beobachten, dass vor allem sehr gesprächsfreudige Menschen SMS verschicken. Das "Simsen" habe daher eher eine Zusatzfunktion.

Einen Vorteil haben SMS in jedem Fall: Der Empfänger kann stressfrei entscheiden, ob er in ein Gespräch verwickelt werden möchte oder die angekommene SMS einfach diskret ignoriert. Ebenso diskret und bequem kann der einstige Verehrer dann LEIA für "Liebling, es ist aus" oder BBB für "Bye, Bye Baby" simsen.

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