Obama liegt bei Delegierten vorn
Das Chaos bei den Clintons ist komplett

Der Obama-Express hat mit dem Dreifach-Sieg in Virginia, Maryland und Washington DC noch einmal mehr Fahrt aufgenommen. Dabei sind es gar nicht so sehr die Delegiertenstimmen, die ihm erstmals einen Vorsprung gegenüber Hillary Clinton verschaffen. Die Wahlkampf-Probleme der ehemaligen First-Lady sind hausgemacht.

WASHINGTON. Es ist die Dynamik, die Obama auf seiner Seite hat. Eine solche Welle trägt den 46-Jährigen, dass alle bisherigen Analysen und Prognosen nichts mehr gelten. Hatte noch vor wenigen Wochen Hillary in Maryland vorne gelegen, so war davon gestern Abend nichts mehr zu spüren. In Virginia war Hillary zumindest noch eine Chance auf ein knappes Ergebnis prognostiziert worden – auch davon war nichts mehr übrig, nachdem der Obama-Express durch den Bundesstaat gerauscht war.

Obama hat so beeindruckend gewonnen, dass es der Hilary-Kampagne angst und bange werden muss. Die Tumulte innerhalb des Hillary-Camps sprechen Bände. Nach der Managerin hat nun auch einer der Stellvertreter das Handtuch geworfen. Ein tiefer Fall nach einer souveränen Führung. Das Chaos bei den Clintons ist komplett.

Amerikanische Wahlen zeichnen sich immer wieder durch das so genannte „Momentum“ aus. Das haben bereits viele Kandidaten in der Vergangenheit erfahren müssen. Wer einmal den Trend aus der Hand gab, der hatte Mühe, auf den fahrenden Zug wieder aufzuspringen. Hillary schien dies nach ihrem Sieg in New Hampshire geschafft zu haben. Doch statt aus der Auftakt-Schlappe in Iowa Lehren zu ziehen, wiegte sie das Comeback in New Hampshire in dem Glauben, auch weiterhin „unvermeidbar“ zu sein. Doch nichts schätzen Wähler weniger, als wenn ihnen ein Kandidat als quasi „gottgegeben“ präsentiert wird.

Im republikanischen Lager dagegen steht der Sieger nun eindeutig fest: John McCain kann vom Spitzenplatz nicht mehr verdrängt werden. Doch ein strahlender Sieg ist dies nicht. In Virginia siegte McCain nur knapp gegen Mike Huckabee. Dies ist eine stete Erinnerung daran, wie umstritten der 71-Jährige Senator aus Arizona tatsächlich ist. Den Konservativen macht dies das Leben nicht leichter.

Die Aussicht, aus einer entspannten Position heraus den Zweikampf der Demokraten betrachten zu können, hat sich in Luft aufgelöst. Der Störenfried Huckabee zeigt, dass die republikanische Partei noch viel Zeit benötigen wird, um sich mit der Kandidatur John McCains anzufreunden. Auch dort wird es daher alles andere als langweilig.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%