Obama und McCain bemühen sich um konservative Christen
Auf Stimmenfang beim „Glaubensgipfel“

Die US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und John McCain haben bei einer Evangelikalen-Veranstaltung um die Stimmen religiöser Wähler geworben. Beide stellten sich auf einer Art "Glaubensgipfel" am Samstag in Kalifornien auf einem Forum den Fragen des einflussreichen Predigers Rick Warren. Dabei äußerten sie sich auch zu kontroversen Themen wie etwa Abtreibung und Stammzellforschung.

LAKE FOREST. So erklärte Obama vor den über 20 000 christlichen Besuchern in der Saddleback-Kirche in Lake Forest, er unterstütze das Recht einer Frau auf Abtreibung, wenngleich er sich für eine Reduzierung der Zahl der Abtreibungen einsetzen wolle. Es müsse mehr getan werden, um nicht erwünschte Schwangerschaften zu verhindern. Dagegen sprach sich McCain einmal mehr gegen Abtreibungen aus. Er betonte, dass die Menschenrechte vom Zeitpunkt der Zeugung an beachtet werden müssten. Zur Frage der staatlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaft von Homosexuellen unterstützte Obama die Zivilehe von Schwulen und Lesben. Auf die Frage, was sein größter moralischer Fehler gewesen sei, nannte McCain das Scheitern seiner ersten Ehe. Obama hingegen bezeichnete Erfahrungen mit Drogen und Alkohol in seiner Jugend als seine schlimmste Verfehlung.

Religion spielt trotz der traditionellen Trennung von Kirche und Staat eine große Rolle in der US-Politik. Rund ein Viertel der erwachsenen US-Bürger sind Evangelikale. In der Vergangenheit haben sie überwiegend die Republikaner gewählt. Sie lehnen Abtreibung und Rechte für Homosexuelle ab und unterstützen traditionelle Familienwerte. Die Saddleback Church ist eine der sogenannten Mega-Kirchen in den USA.

Die Kandidaten traten bei der Veranstaltung im kalifornischen Lake Forest nicht gegeneinander an, sondern trafen nur kurz zwischen ihren jeweiligen Auftritten aufeinander. Beide Präsidentschaftsbewerber haben Schwierigkeiten, die Unterstützung religiöser Wähler zu gewinnen. So hat McCain mit seinem Eintreten für die Stammzellforschung sowie mit unverblümter Kritik an führenden Evangelikalen in der Vergangenheit konservative Anhänger der Bewegung vor den Kopf gestoßen. Obama musste sich dagegen von einem umstrittenen Pastor distanzieren, dessen Gemeinde er früher angehörte. Zudem sah sich der bekennende Christ wiederholt gezwungen, Gerüchte zurückzuweisen, wonach er Muslim sein soll. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew halten zwölf Prozent der US-Bürger Obama für einen solchen.

Obama kündigte an, dass er als Präsident Steuererhöhungen für Familien realisieren möchte, die über 150 000 Dollar (102 000 Euro) verdienen. Steuererhöhungen seien notwendig, um die marode Infrastruktur in den USA zu verbessern und um bessere Schulen zu haben.

Die Mitglieder konservativ-christlicher Kirchen in den USA haben in den vergangenen Jahren zunehmenden Einfluss auf die Politik erhalten. Ihre Unterstützung für George W. Bush galt als mitentscheidend für seine Wahlsiege vor vier und acht Jahren: Bei der Wahl 2004 votierten knapp 80 Prozent der Evangelikalen für Bush. In diesem Jahr ist die religiöse Bewegung trotz einer Mehrheit für das republikanische Lager allerdings stärker zersplittert. Einer Umfrage vom Juni zufolge sprachen sich 61 Prozent der weißen Evangelikalen für McCain und 25 Prozent für Obama aus.

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