Obdachlose ziehen in Zeltstädte
Weitere Nachbeben am Ätna

Die Krisenregion am Feuer speienden Ätna auf Sizilien ist am Mittwoch erneut von mehreren Erdstößen erschüttert worden. Die Lavaströme vor allem an der Nordseite des Vulkans wälzten sich aber spürbar langsamer in die Tiefe. Über der Hafenmetropole Catania lichtete sich die riesige Aschewolke und zog in Richtung Norden. Die ersten der über 1 000 Obdachlosen bezogen Unterkünfte in Zelten.

HB/dpa CATANIA. Vulkanologen meinten im italienischen Fernsehen allerdings, Entwarnung könne nicht gegeben werden. Niemand könne den weiteren Verlauf des Ausbruchs vorhersagen.

"Der Ätna verändert seinen Charakter und wird immer gewaltsamer und explosiver", sagte die italienische Expertin Luisa Ottolini. Auch vier Tage nach der Eruption am Sonntag spuckte der größte Vulkan Europas weiter Lavafontänen und Asche in den Himmel. "Wir haben einfach Angst", sagte eine weinende Frau in Santa Venerina, einer der am stärksten betroffenen Ortschaften. Das italienische Fernsehen berichtete, nach den schweren Beben vom Dienstag verbrachten viele Menschen die Nacht im Auto.

Die Regierung in Rom rief den Notstand für die Region aus. Damit solle gewährleistet werden, dass die Hilfen nicht auf die üblichen bürokratischen Hindernisse stoßen. In Catania und vielen anderen Ortschaften blieben die Schulen geschlossen. Auch auf dem Flughafen von Catania war kein Betrieb. Löschflugzeuge warfen über der Lava Wasser ab, um den Strom der rot glühenden Gesteinsmassen zu bremsen. Die Regierung schickte ein Militärschiff mit Helfern und Ausrüstung nach Sizilien.

Ausmaß der Schäden noch nicht ganz bekannt

Insgesamt wurde die Region am Mittwoch von rund einem Dutzend Nachbeben erschüttert, die allerdings zumeist nur die Stärke zwei auf der Richterskala hatten. Ein Geologe meinte aber, nach wie vor sei ungeklärt, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Serie der Beben und dem Ätna-Ausbruch gebe.

Die genaue Zahl der Obdachlosen und das ganze Ausmaß der Gebäudeschäden nach dem Beben vom Dienstag (4,4 auf der Richterskala) war weiterhin unklar. Das staatliche italienische Fernsehen sprach von 1 000 bis 1 500 Menschen, andere Quellen sprachen von bis zu 2 000. Die ersten Obdachlosen bezogen ihre Unterkünfte in Zeltstädten, einige Hundert fanden in Hotels ein Dach über dem Kopf. Allein in Sanata Venerina habe es 16 Leichtverletzte gegeben, berichtete ein Korrespondent des Staats-Fernsehens RAI.

In der Provinz Catania werde befürchtet, dass bis zu 40 % der Häuser nicht mehr oder nur noch teilweise bewohnbar seien. Viele ältere Gebäude seien überhaupt nicht gegen Erdbeben geschützt. Der Bürgermeister von Catania, Umberto Scapagnini, sagte: "Vor allem der Zustand der vor 1980 gebauten Häuser bereitet Anlass zur Sorge." Über schwere Schäden klagten auch die Bauern: Durch den Ascheregen sei in einigen Gebieten die Wein-Ernte gefährdet. "Der feine Staub hinterlässt schwere Schäden", sagte ein Sprecher.

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