Obdachlosigkeit in Paris
Die neuen Untermieter

In Paris leben immer mehr Clochards in Zelten- zum Unmut der Anwohner. Die Bezirksbürgermeister werden mittlerweile mit Beschwerden überflutet, doch die Stadt reagiert hilflos.

PARIS. Hier residierte der einstige Staatspräsident Francois Mitterrand, hier bieten die führenden französischen Couturiers im Luxus-Kaufhaus "Bon Marché" ihre Kollektionen an und hier steht auch das prunkvolle Palais Beauharnais, einst Wohnsitz von Napoleons Joséphine, heute Residenz des deutschen Botschafters: Im siebten Arrondissement von Paris geht es traditionell vornehm zu - mittlerweile allerdings nicht mehr überall. Auf den Straßen zwischen Eiffelturm, Außenministerium und Invalidendom gibt es auch Bewohner, die nicht zum Ambiente passen: Die Obdachlosen der französischen Hauptstadt.

Zum Beispiel beim Arbeitgeberverband Medef am Boulevard Bosquet: Anfang dieses Jahres ließ sich ein Clochard in der Einfahrt des Verbandes nieder. Medef duldete den "Untermieter" zunächst. "Doch irgendwann ging es nicht mehr, weil wir an dem Tor immer wieder hochrangige Besucher empfangen", berichtet eine Mitarbeiterin, "deshalb mussten wir ihn bitten, umzuziehen." Der Wohnungslose folgte der Aufforderung klaglos und suchte sich einige Straßen weiter ein neues Quartier.

So harmonisch geht es derzeit nur selten zu zwischen den SDF (Sans Domicile Fixe) und den sesshaften Parisern. Viele Bürger sind sauer über die wachsende Präsenz der Obdachlosen. Zwar gab es unter den Brücken und auf den Plätzen von Paris immer Clochards. Doch noch nie waren es so viele wie heute: Auf 10 000 schätzt die Pariser Stadtverwaltung ihre Zahl. Zum Ärgernis werden die Wohnungslosen vor allem, weil sie neuerdings dauerhaft in Zelten auf den Trottoirs kampieren. Die von der Hilfsorganisation "Médecins du Monde" im Januar verteilten Zelte waren ursprünglich als Winterschutz gedacht, doch die Empfänger nutzen sie nun ganzjährig. An Kanalufern, in der Mitte großer Plätze oder am Rande öffentlicher Parks: Überall in Paris sind die Kamps der Clochards zu besichtigen, und es werden immer mehr. 2000 Obdachlose sollen es schon sein, die in solchen Behausungen leben.

Seite 1:

Die neuen Untermieter

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%