Oberbürgermeister Xu Kuangdi kündigt Bau einer Autostadt mit Formel-1-Rennstrecke an
Schanghai forciert High-Tech-Projekte

Der geplante Bau einer internationalen Autostadt soll Schanghais Rolle als Chinas Automobilzentrum stärken. Der Transrapid wird zum Symbol für das Innovationstempo der Boomstadt.

SCHANGHAI. Ein halbes Jahr nach den für Anfang Januar 2003 geplanten ersten Probefahrten des Transrapid zwischen dem internationalen Flughafen von Schanghai-Pudong und der Innenstadt der ostchinesischen Metropole soll mit dem Projekt einer Transrapidanschlussstrecke zum Flughafen von Hangzhou begonnen werden. Dies hat Schanghais Oberbürgermeister Xu Kuangdi gegenüber dem Handelsblatt angekündigt. Das 180 km entfernte Hangzhou ist die Hauptstadt der Nachbarprovinz Zhejiang.

Voraussetzung für die Realisierung des Schanghai-Hangzhou- Transrapid-Projektes sei, dass der Probebetrieb der 30 km langen Strecke in Schanghai erfolgreich verlaufe und sie mit Gewinn betrieben werden könne. Xu Kuangdi verwies auf eine Vereinbarung mit der Provinz Zhejiang. Der Vizegouverneur der Provinz, Wang Yongming, hatte allerdings gegenüber dem Handelsblatt erklärt, die Transrapidstrecke zwischen Peking und Schanghai habe Vorrang. Mit dem Bau der Strecke zwischen Hangzhou und Schanghai solle erst danach begonnen werden. Die Entscheidung darüber, welche weiteren Transrapidstrecken gebaut werden, trifft letztlich die staatliche Planungskommission in Peking. Chinas Premierminister Zhu Rongji hatte erst kürzlich die Langstrecke zwischen Schanghai und Peking favorisiert. Sollte Chinas Olympiabewerbung Erfolg haben, dürfte die Strecke Peking-Schanghai Priorität erhalten.

Oberbürgermeister Xu sagte, mit dem Bau der Strecke nach Hangzhou würde der internationale Flughafen Schanghai-Pudong einfach ein Flughafen der Zhejiang-Provinz. Die Fahrtzeit würde nur 25 Minuten betragen. Mit dem Bau der Strecke zwischen Pudong und Hangzhou könnte zwischen 2005 und 2006 begonnen werden. Diese Strecke führe durch eine Ebene und sei deshalb leicht zu verwirklichen.

Bau einer internationalen Autostadt geplant

Der Bau der Langstrecke nach Peking sei auf Grund der geographischen Lage komplizierter, der Yangtze und einige Gebirge müssten überquert werden. Auch Xu bezeichnete die Wahrscheinlichkeit als hoch, dass die Langstrecke realisiert wird. Die dazu notwendigen Untersuchungen würden vorzeitig in Angriff genommen. Der Transrapid ist für die Boomtown Schanghai ein Schlüsselprojekt, das den High-Tech-Charakter der ohne die drei Millionen Wanderarbeiter über 14 Millionen Einwohner zählenden Industrie- und Handelsmetropole am Huangpu unterstreicht. Schanghai sieht sich als Motor der chinesischen Öffnungs- und Reformpolitik. Xu Kuandgi: "Schanghai ist eine Einwanderungsstadt. Wir haben den Mut zum Risiko."

Schanghai plant den Bau einer internationalen Autostadt im Vorort Anting. Dort produziert das Joint-Venture-Unternehmen Shanghai Automotive Industry Corporation-Volkswagen (SAIC-VW) derzeit den Santana sowie den Passat und demnächst auch den Polo. Nach Angaben Xus entfallen bereits gegenwärtig 46 % der chinesischen Automobilumsätze auf Schanghai. Dieser Anteil könnte steigen, wenn auch andere Hersteller die geplante Autostadt als Vertriebszentrum nutzen.

Die Autostadt ist Bestandteil des zehnten Fünfjahresplanes der Stadt Schanghai. Nach diesem Plan sollen in den Vororten Schanghais neun Satellitenstädte nach verschiedenen ausländischen Baustilen gebaut werden.

Kein "Klein-Wolfsburg"

In Anting sollen, so Xu Kuangdi, mit Unterstützung von SAIC-VW Automobilausstellungen, Automobilvertrieb und Automobilsport sowie eine neue Wohnstadt kombiniert werden. Die Ausschreibung für das Projekt sei bereits erfolgt. An ihr hätten viele deutsche Architekten teilgenommen. Hoffnung auf den Projektzuschlag macht sich die Frankfurter Albert Speer & Partner GmbH. Die Architekten und Stadtplaner haben Anfang März einen Masterplan für die internationale Automobilstadt vorgelegt.

Oberbürgermeister Xu hofft, dass in Anting verschiedene deutsche Baustile zu sehen sein werden und nicht nur ein "Klein-Wolfsburg" entsteht. Er geht davon aus, dass die im deutschen Stil gebaute internationale Automobilstadt 2004/05 fertig gestellt sein wird. Die ersten Infrastrukturmaßnahmen für das Projekt hätten bereits begonnen. Nur diese Infrastrukturmaßnahmen würden vom Staat finanziert. Die staatliche Finanzierung wird 20 % der von Xu Kuangdi auf 5 bis 7 Mrd. Renminbi bezifferten Gesamtkosten der Autostadt (ca. 1,4 bis 2 Mrd. DM) ausmachen. Zu dem Projekt der internationalen Autostadt gehört auch der Bau einer Formel-1-Rennstrecke. Die internationale Formel-1-Rennsportorganisation habe schon entschieden, dass die Strecke in Anting Chinas Hauptstrecke werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%