Oberbürgermeisterin Roth tritt gegen SPD-Kandidat Vandreike an
Frankfurter Stichwahl kam gänzlich unerwartet

Dass die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth bei den hessischen Kommunalwahlen in eine Stichwahl muss, galt vor zwei Wochen noch als ausgeschlossen.

afp FRANKFURT/MAIN. Umfragen sagten der CDU-Politikerin für den ersten Wahlgang bis zu 60 Prozent der Stimmen voraus. Doch die Meinungsforscher irrten: Roth verpasste am 18. März die absolute Mehrheit und muss nun am kommenden Sonntag gegen ihren SPD-Herausforderer Achim Vandreike antreten. Roths verpasster Wahlsieg störte auch ein wenig die Bilanz der hessischen CDU unter Ministerpräsident Roland Koch, die landesweit als Sieger aus der Kommunalwahl hervorgegangen war. Die SPD, die ihre Vormacht in den hessischen Städten und Gemeinden an die Union verlor, klammerte sich dagegen an Vandreikes Erfolg. Die SPD werde jetzt um das Oberbügermeisteramt in Frankfurt kämpfen, kündigte Landeschef Hans Eichel sofort nach der Wahl vor knapp zwei Wochen an.

Dessen ungeachtet geht Roth am Sonntag erneut als Favoritin ins Rennen. In der ersten Runde hatte die 56-Jährige schließlich mit 48,6 Prozent der Stimmen nur knapp die absolute Mehrheit verpasst. Bereits am Wahlabend verkündete sie daher selbstbewusst, bei der Stichwahl werde es jetzt eine "klare Entscheidung" geben. Ihr Herausforderer Vandreike kam dagegen nur auf 34,6 Prozent. Den Ausschlag dafür, dass die Frankfurter am Sonntag noch einmal zur Wahl aufgerufen sind, gab wohl das überraschende Ergebnis der Grünen-Kandidatin Jutta Ebeling: Sie erreichte 10,3 Prozent der Stimmen.

Vandreike braucht Stimmen der Grünen-Wähler

Die Stimmen der Grünen-Wähler benötigt Vandreike am Sonntag wohl auf jeden Fall, wenn er die Wahl gewinnen will. Doch die Grünen weigerten sich in dieser Woche, eine Empfehlung für einen der beiden Kontrahenten abzugeben. Es gebe keine so großen Unterschiede zwischen Roth und Vandreike, dass sich eine Empfehlung aufdränge, sagt Kreisvorstandssprecherin Manuela Rottmann. Zudem ließen sich die Grünen-Wähler auch nicht "instrumentalisieren". Rottmann sieht Roth erneut in der Favoriten-Rolle. Entscheidend werde aber sein, welcher Kandidat sein Wähler besser mobilisieren könne.

Ob der CDU dies in ausreichendem Maß gelingt, bezweifelt der FDP-Kreisvorsitzende Franz Zimmermann: "Die bürgerliche Seite kommt nicht aus dem Lehnstuhl", moniert er. Die FDP hat ihren Anhängern empfohlen, am Sonntag Roth ihre Stimme zu geben. Im ersten Wahlgang hatten die Liberalen mit Hans-Joachim Otto noch einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten aufgeboten, der aber nur auf 1,8 Prozent der Stimmen kam. Die Liberalen begründeten die eigene Kandidatur auch mit ihrer Kritik an Roth. "Sie ist in ihren Wahlfächern brillant, bekommt aber in einigen Pflichtfächern nur meine Lateinnote von vier minus", sagt Zimmermann.

Schwierige Mehrheitsverhältnisse erwartet

Wer auch immer die Stichwahl am Sonntag gewinnt, wird auf jeden Fall mit schwierigen Mehrheitsverhältnissen im Frankfurter "Römer" zu kämpfen haben. Zehn Parteien zogen nach der Kommunalwahl in die Stadtverordnetenversammlung ein, weil die Fünf-Prozent-Hürde durch das neue Wahlrecht gefallen ist. Stärkste Kraft wurde die CDU mit 38,5 Prozent der Stimmen. Die SPD kam auf 30,6 und die Grünen auf 14,1 Prozent. Die FDP erreichte 4,6 Prozent. Denkbar ist bei diesen Mehrheitsverhältnissen natürlich eine große Koalition. In den vergangenen Tagen wurde aber auch über ein schwarz-grünes Bündnis spekuliert. Rottmann bekräftigte aber noch einmal, dass dies nicht auf der Tagesordnung stehe. Sie plädiert dafür, dass wie in den vergangenen Monaten in Frankfurt mit wechselnden Mehrheiten regiert werden sollte.

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