Oberhaupt verzichtete erstmals auf Kreuzweg-Prozession
Gebrechlicher Papst lehnt Rücktritt kategorisch ab

Papst Johannes Paul II. lehnt trotz Krankheit und Schwäche einen Rücktritt kategorisch ab. Das berichteten italienische Medien am Samstag unter Berufung auf den chilenischen Kardinal Jorge Arturo Medina. Wegen seiner Leiden musste der 81-Jährige am Karfreitag auf die traditionelle Kreuzweg-Prozession am Kolosseum in Rom verzichten.

dpa ROM. Er machte bei der Zeremonie am Abend einen hinfälligen Eindruck und konnte die Prozession nur sitzend beobachten. Bei der letzten der 14 Stationen übernahm er das Kreuz und erhob sich für einen Augenblick von seinem Sessel. Eine vorbreitete Rede hielt er nicht. Die wenigen Worte, die er sagte, sprach er mit langen Pausen und mit brüchiger Stimme.

Der chilenische Kardinal habe Johannes Paul unlängst persönlich die Frage nach einem möglichen Rückzug aus dem Amt gestellt. Der Papst habe diesen Gedanken klar abgelehnt, berichtete die römische Zeitung "La Repubblica". Als Grund habe er genannt: "Auch Jesus ist nicht vom Kreuz herabgestiegen." In aller Regel führen die Päpste die römisch-katholische Kirche bis zum Tode. Dennoch sieht das Kirchenrecht die Möglichkeit eines freiwilligen Rückzugs vor. Allerdings gab es in der 2000-jährigen Kirchengeschichte lediglich einen solchen Fall. In Rom kursieren seit Jahren immer wieder Gerüchte über einen Rücktritt. Erst kürzlich hieß es, Kurienkardinäle hätten Johannes Paul diesen Weg nahe gelegt; der Vatikan bestreitet dies allerdings offiziell.

Zehntausende von Gläubigen und Touristen waren zu der Via Crucis gekommen, darunter auch viele Deutsche. Die nächtliche Zeremonie vor historischer Kulisse ist einer der Höhepunkte der Osterfeiern in der italienischen Hauptstadt. Das Kolosseum und der Weg am Palatins-Hügel erstrahlten im Schein Tausender von Kerzen und Fackeln. Noch vor einem Jahr hatte der Kirchenführer das Kreuz auf den beiden letzten der 14 Kreuzweg-Stationen übernommen. Die Texte zur Meditation während der Prozession hatten diesmal Journalisten geschrieben, darunter auch zwei Deutsche. Immer wieder ging es dabei um den Frieden in der Welt und besonders im Heiligen Land und in Jerusalem.

Der Papst leidet an einer schmerzhaften Arthrose im Knie und zudem an der Parkinson Krankheit. Dennoch wollte er in der Nacht zum Sonntag im Petersdom die Osterwache halten und am Sonntag die Ostermesse zelebrieren. Danach spendet er den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis).

In den Augen vieler Deutscher schadet der Papst mit seinem Festhalten an seinem Amt der Kirche. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N24 meinten 54 Prozent der Befragten, es schade der Kirche, dass Johannes Paul II. trotz Krankheit sein Amt weiter ausübe. Auch unter Katholiken waren kritische Stimmen in der Mehrheit.

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