Oberlehner ist Vorstandschef der österreichischen Gericom AG
Hermann Oberlehner: Der billige Jakob des PC-Geschäfts

Der Mann ist schnell. In kurzer Zeit hat Porschefahrer Oberlehner eine Notebook-Firma hochgezogen. Jetzt hat sie alle Konkurrenten in Deutschland überholt.

Martin Schmitt trägt es an seinen Sprungskiern, Lothar Matthäus am Hemdenkragen und der Formel-1-Bolide von Minardi am Heck. "Gericom" ist dort überall zu lesen - ein Logo, das inzwischen für den erfolgreichsten deutschen Notebook-Lieferanten steht. Das Unternehmen aus dem österreichischen Linz hat mit seinen Verkaufszahlen im vergangenen Jahr so etablierte Konkurrenten wie Toshiba und Siemens-Fujitsu abgehängt. Das liegt vor allem an der ebenso einfachen wie genialen Strategie von Gründer, Vorstandschef und "Mastermind" Hermann Oberlehner.

Er sichtet am Markt die neuesten Produkttrends, plant die Verkaufsaktion und liefert die Geräte. Kunden sind große Elektronikketten wie Media Markt oder Saturn, aber auch Lebensmitteldiscounter wie Lidl. Da gehen schon zwischen 5 000 und 10 000 Stück über das Verkaufsband, wenn Filialist Lidl in einer Sonderaktion Notebooks anbietet. "Alpendell" nannte deshalb das Magazin "DM" den umtriebigen Oberlehner, weil er selbst den US-Konzern Dell auf dem deutschen Markt in den Schatten stellt.

Oberlehner hat bei der am Neuen Markt notierten Gericom AG alle Fäden in der Hand, auch wenn er oft auf Tour ist. Seit er 1989 seinen Job als Assistent des Generaldirektors beim Linzer Stahlkonzern Voest Alpine kündigte, um mit der von ihm gegründeten S plus S GmbH ins Computergeschäft einzusteigen, lebt er einen Großteil der Zeit "aus dem Koffer".

Jede Menge Kontakte

Etwa ein halbes Jahr verbringt der 46-Jährige in Ostasien, dort wo im Computergeschäft die Trends geboren werden. Als oberster Produktscout kennt er die wichtigsten Produzenten und weiß deshalb auch, mit welchen Innovationen in den nächsten Monaten Konkurrenten wie Toshiba oder Siemens-Fujitsu die Kunden locken wollen. Analysten loben denn auch seine "exzellenten Marktkenntnisse".

In Taiwan, und neuerdings wegen der noch niedrigeren Löhne auch in der chinesischen Metropole Shanghai, lässt er von Partnerunternehmen einfache Komponenten wie Tastaturen und Plastikteile produzieren. In Linz werden die Notebooks dann nach Kundenauftrag von insgesamt 270 Mitarbeitern zusammengebaut.

Die Produktion ist nur die eine Seite des Erfolges, die noch wichtigere ist der Absatz. Oberlehner hat sich vor mehr als neun Jahren auf Großmärkte wie Saturn und Discounter wie Lidl konzentriert. Sein größtes Kapital sind die persönlichen Kontakte zu allen wichtigen Leuten im deutschen Handel. Taucht Oberlehner am Gericom-Messestand auf der Computermesse Cebit auf, scharen sich dort schnell jede Menge "guter alter Geschäftsfreunde" um ihn.

Die schätzen vor allem die Zuverlässigkeit des billigen Jakobs im PC-Geschäft. Ein Analyst beschreibt es so: "Wenn Lidl einen Sonderverkauf plant, dann müssen morgens alle Filialen mit einer gewissen Anzahl an Geräten bestückt sein." Wer einmal zu spät liefere, der werde bei der nächsten Aktion schon nicht mehr gefragt.

Zuverlässigkeit ist Trumpf

Oberlehner selbst ist sich der Zweischneidigkeit dieses Geschäfts bewusst. Als in der Vorweihnachtszeit der Media Markt Niederlande noch Notebooks ordern wollte, lehnte er den Auftrag wegen der sich abzeichnenden Lieferengpässe ab. Lieber gar nicht liefern als zu spät, lautete seine Devise.

Zeit, vor allem Freizeit, ist für Multimillionär Oberlehner, der über seine eigene Stiftung derzeit 67,1 Prozent an Gericom hält, ein Gut, von dem er stets zu wenig hat. Seine Villa im österreichischen Reith beim Nobelskiort Kitzbühel sieht er oft wochenlang nicht. Ist er dort, entspannt er sich beim Golfen und Skifahren. "Skilehrer im Business-Anzug" wird der gelernte Automechaniker und Sohn eines Bauern wegen seines sonnigen Teints und seiner blonden Haare schon mal genannt.

Der Vater zweier Kinder hat noch ein Hobby: schnelle Autos. Für den Weg von Linz nach Reith fährt er ab und zu über Deutschland. Wer zwischen Passau und München einen Porsche Turbo mit 300 Stundenkilometern an sich vorbeirauschen sieht, darf Oberlehner am Steuer vermuten.

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