Oberstes Gericht soll Nachzählung stoppen
Bushs Anwälte warnen vor Verfassungskrise

Das von den Republikanern angerufene Oberste Gericht soll die Nachzählung der Stimmen stoppen. Unterdessen beträgt der Abstand zwischen Bush und Gore 801 Stimmen.

ap WASHINGTON. Der Streit um den Ausgang der US-Präsidentenwahl beschäftigt jetzt auch das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten in Washington. Die Anwälte des Republikaners George W. Bush wollen mit einer höchstrichterlichen Entscheidung die Nachzählung von Stimmen in Florida stoppen. Beobachter sprachen von zunehmend bizarren Auswüchsen eines bisher beispiellosen Vorgangs in der Geschichte des Landes.

Oberstes Gericht soll manuelle Kontrollzählung stoppen

Mit dem Gang vor den Supreme Court fechten die Republikaner das Urteil des Obersten Gerichts von Florida an, wonach die Ergebnisse manueller Kontrollzählungen in drei Wahlbezirken in das amtliche Endergebnisses des US-Staates einfließen müssen. Dieses entscheidet über das Gesamtergebnis der Wahl vom 7. November, weil weder Bush noch der demokratische Kandidat Al Gore bei der Auszählung in den anderen Staaten der USA eine Mehrheit der Wahlmännerstimmen erringen konnten.

In der Begründung ihrer Berufung vor dem Obersten Gericht in Washington sprachen die Anwälte Bushs von einer drohenden Verfassungskrise und der Gefahr, dass ein Präsident mit zweifelhafter Legitimität ins Weiße Haus einziehen könnte. Zudem reichte Bush auch in Florida eine Klage ein: Gefordert wird die Nachzählung der Briefwahlstimmen in 13 Wahlbezirken, wo hunderte Stimmen für ungültig erklärt wurden.

Demokraten wollen Bezirk Miami-Dade zur Nachzählung zwingen

Auch die Demokraten planen weitere juristische Schritte: Sie wollen die Wahlkommission des Bezirks Miami-Dade zwingen, die manuelle Nachzählung fortzusetzen. Die Wahlhelfer hatten ihre Arbeit am Mittwoch abrupt eingestellt und erklärt, sie könnten die Zählung innerhalb der vom Obersten Gericht Floridas genannten Frist bis Sonntag oder Montag nicht zu Ende führen. Gores Antrag, die Wiederaufnahme der Auszählung im Bezirk Miami-Dade anzuordnen, wurde noch am Mittwoch von einem Gericht abgelehnt. Jetzt erwägen die Demokraten, beim Obersten Gericht Floridas Berufung dagegen einzulegen.

Abstand zwischen Bush und Gore beträgt 801 Stimmen

Nach einem Zwischenstand der manuellen Auszählung in den Bezirken Broward und Palm Beach gewann Gore dort 129 Stimmen hinzu. Damit würde sich Bushs Vorsprung in ganz Florida von 930 Stimmen auf 801 verringern. In Miami-Dade gewann Gore bis Mittwoch 157 Stimmen, die nun offenbar unberücksichtigt bleiben.

Der Konflikt zehrt bei den Beteiligten zunehmend an den Nerven. Bushs Wahlkampfsprecherin Karen Hughes verglich die Situation mit einem Marathonlauf, bei der den Läufern beim Überqueren der Ziellinie gesagt werde: "Übrigens, das Rennen ist noch nicht vorbei." Bushs Kandidat für das Vizepräsidentenamt, Dick Cheney, zeigte sich nach seinem leichten Herzinfarkt und einer Operation am Mittwochabend wohlauf. Cheney soll bis zum Wochenende wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

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