Obi geht den Weg der Internationalisierung allein
Tengelmann verkündet Turn-around

Bei Tengelmann, vor zwei Jahren noch ein Sanierungsfall, herrscht wieder Optimismus. Die Trendwende sei eindeutig geschafft, erklärt Firmenchef Haub. Im kommenden Jahr will die Gruppe das letzte Sorgenkind, den Discounter Plus, aus den roten Zahlen bringen. Für Obi wird kein Partner mehr gesucht.

ews/rv MÜLHEIM. Die neu geschmiedete Allianz zwischen der britischen Kingfisher und der deutschen Baumarktkette Hornbach lässt die Tengelmann-Gruppe in Mülheim kalt. Die Baumarkttochter Obi, mit einem Umsatz von 4,2 Mrd. Euro unangefochten Branchenführer in Deutschland, müsse ohnehin auf den anstehenden Konsolidierungsprozess in diesem Markt reagieren. Das machte Tengelmann - Chef Karl-Erivan Haub bei der Vorlage der Jahreszahlen deutlich. Auch Joachim Bernsdorf, Analyst von Fortis Investment Research in Frankfurt, sieht die Margen im Heimwerkermarkt stark unter Druck geraten. Obi besitze hier Nachholbedarf, da das Unternehmen nicht mehr so glänzend dastünde wie früher.

Tengelmann hatte lange Zeit einen Partner für Obi gesucht - und dabei auch mit Kingfisher gesprochen. Die kostspielige Auslandsexpansion sollte mit einem Verbündeten finanziert werden. Nun ist Haub überzeugt, dass Obi den Weg auch alleine gehen kann.

Obi ist wichtig für die Auslandsstrategie

Von einem Verkauf der Baumarktkette ist in Mülheim deshalb nicht die Rede. Denn für die Auslandsstrategie des Handelskonzerns spielt die Heimwerkertochter eine große Rolle, wie Holding-Geschäftsführer Peter Zühlsdorff betont: "Obi ist in der Internationalisierung am weitesten vorangekommen und deshalb sehr wichtig." Von den 440 Obi-Märkten steht ein Viertel im Ausland - vier davon in China.

Das neue Selbstbewusstsein der Mülheimer hat seinen Grund. Nach zwei Jahren Umbau, der 500 Mill. Euro gekostet hat, ist Haub wieder optimistisch: Die großen Sorgenkinder, die Supermärkte von Kaiser?s und Tengelmann, werden im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 (30. Juni) die Gewinnzone erreichen, der Discounter Plus im kommenden Jahr. Die Sanierung mit der Abgabe von über 2 Mrd. Euro Umsatz war unumgänglich geworden, nachdem bis 1999 in diesen Bereichen 100 Mill. Euro Verlust angefallen war. 2000 konnte der Fehlbetrag laut Haub um 80 % auf "einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag" abgebaut werden.

Ertragszahlen nennt Tengelmann nicht

Tengelmann nennt traditionell keine Ertragszahlen. Nur so viel ließ Haub verlauten: Bilanziell wurde das Ergebnis der Gruppe im Vorjahr durch das positive Auslandsgeschäft mit Märkten in 15 Ländern und Buchgewinne aus dem Verkauf von zehn Beteiligungen ausgeglichen.

"Mit Tengelmann muss wieder gerechnet werden", konstatiert Haub mit sichtlichem Stolz über die Trendwende. Der schnelle Erfolg zeige, dass ein marodes Handelsunternehmen wieder umgedreht werden könne, wenn man zu harten Schnitte bereit sei: "Wir haben eine Firmenkonjunktur gestartet."

Investionen in Informationstechnologie und Logistik geplant

Nachdem bereits im vergangenen Geschäftsjahr mit einem Umsatz-Zuwachs von 7,6 % auf 26,7 Mrd. Euro das höchste Wachstum der vergangenen zehn Jahre realisiert wurde, ist für 2001/02 wieder ein Plus von mehr als 7 % geplant. Allein in Deutschland sollen die Erlöse um 500 Mill. Euro steigen. Im Vorjahr wurden 12,1 Mrd. Euro umgesetzt. Damit hebt sich der Handelskonzern positiv von der Branche ab, auch wenn Haub einräumt, dass Tengelmann von einer relativ niedrigen Ausgangsbasis kommt. Denn der Bundesverband der Filialbetriebe und SB-Warenhäuser (BFS) erwartet für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel 2001 einen Umsatzrückgang - nach einem Plus von 1,4 % im ersten Halbjahr.

Nach der gelungenen Sanierung muss Tengelmann seine Zukunft sichern. Deshalb will der Konzern in die Informationstechnologie, in moderne Warenwirtschaftssysteme sowie die Logistik viel Geld investieren. Hier sieht Haub im Vergleich zur Konkurrenz noch Nachholbedarf: "Nur mit einer guten Logistik kann man auf Dauer die Kostenstruktur schaffen, um im harten Wettbewerb zu bestehen."

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