Obi rechnet mit Bauboom
China - das gelobte Land für Baumärkte

Die internationalen Baumarktbetreiber entdecken China. Seit Juni 2000 ist der deutsche Marktführer Obi im bevölkerungsreichsten Land der Erde vertreten, inzwischen mit vier Filialen.

dpa SHANGHAI. "Es läuft besser als erwartet", sagt Obi-Aufsichtsratschef Manfred Maus. In den kommenden fünf Jahren will das Unternehmen 15 neue Märkte eröffnen.

Weit ehrgeiziger noch ist das Ziel der Nummer eins in Europa, Kingfisher. Der britische Baumarkt-Riese, der in Deutschland vor allem mit dem Elektrohändler ProMarkt und Anteilen an der Baumarktkette Hornbach vertreten ist, will bis 2010 in China in 126 "B&Q"-Filialen Heimwerkerbedarf anbieten; derzeit sind es sechs.

"Unvorstellbarer Markt"

"China wird ein unvorstellbarer Markt der Zukunft", schwärmt der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenmärkte, John Herbert. "Momentan ist der Markt in Deutschland mehr als überreizt. Wir haben viel zu viel Verkaufsfläche." In Fernost wird die Branche dagegen vom ungeheuren Bauboom beflügelt und von der neuen Möglichkeit, Eigentum zu erwerben.

Der Präsident von B&Q in China, Hansen Tian, rechnet allein für Schanghai mit dem Bau von über zehn Millionen Quadratmetern Wohnfläche pro Jahr - rund ein Drittel von dem, was das Statistische Bundesamt 2001 für ganz Deutschland ermittelt hat. In China gibt es aber rund 100 Millionen-Städte.

Die meisten Wohnungen werden als so genannte Betonboxen übergeben, die noch im Rohbau sind. "Da sind keine Innentüren drin, kein Bad, es fehlen Tapeten und der Boden", erklärt Hansen Tien. So muss der Eigentümer für eine 80-Quadratmeter-Wohnung außer dem Kaufpreis von rund 40 000 Euro auch noch fast 100 000 Yuan (rund 13 000 Euro) für die Ausstattung ausgeben.

Aufträge auf dem Silbertablett

Obi-Aufsichtsratschef Maus sagt: "Die Kaufkraft ist da. Die Großstädter verdienen gut, auf dem Land herrscht aber pure Armut." Allerdings sind die Chinesen kein Volk von Heimwerkern, mit "Do it yourself" können viele nichts anfangen. Deshalb spricht die Branche in China von "Buy it yourself": Der Kunde wählt aus, das Tapezieren oder die Installation von Wasserhähnen übernimmt ein Handwerker. Das ist auch deshalb möglich, weil die Kosten für die Arbeitskraft sehr gering sind. "Wir verkaufen die Dienstleistung mit", erklärt Maus.

Eine Idee, die nach seinen Vorstellungen auch für Deutschland taugen würde: "Es gibt tausende von Menschen, die nicht das Talent oder die Zeit haben, ein Bad neu auszustatten, aber die Kaufkraft. Ich kann dem Handwerk die Aufträge auf dem Silbertablett servieren."

Doch wegen der starren Reglementierung sei das kaum machbar. Bei Obi liegt inzwischen der Markt mit den dritthöchsten Erlösen aller Filialen weltweit in Schanghai. Von den rund 4,6 Milliarden Euro Jahresumsatz erbringen die vier Märkte in China etwa 100 Millionen Euro. Obi-Vorstandschef Harald Lux betont: "Drei von vier Märkten sind operativ in den schwarzen Zahlen."

85 bis 90 Prozent der Waren werden in China produziert. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder hat auf seiner Asienreisereise 2001 schon einen der zwei Obi-Märkte im wichtigsten Wirtschaftszentrum Chinas besucht. Maus will sogar den neuen Transrapid sponsern. "Er soll Obi-Express heißen", sagt er.

Globaler Geschmack

Das Sortiment in China und Europa sei erstaunlich ähnlich. Wer Exotik sucht, wird enttäuscht, es herrscht der globale Geschmack. Sogar manche Marken sind gleich. Und bei B&Q in Schanghai sind auch Kuckucksuhren im Angebot.

Allenfalls können in China die Badewannen ein wenig kürzer und die Arbeitstische der Küche etwas niedriger ausfallen. Beim Kochen mit dem Wok ist außerdem eine gute Entlüftung gefragt. "Die Dunstabzugshauben aus Deutschland können sie vergessen, die haben zu wenig Power", meint Maus.

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