"Obst ist besser als Schokolade" - das müssen Kinder noch lernen
Künast will Übergewicht bei Kindern zu Leibe rücken

Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind zu dick. Mit einer groß angelegten Kampagne will Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) dem Übergewicht der Jugend in Deutschland verstärkt zu Leibe rücken. "Wir brauchen eine neue Esskultur, das heißt aber nicht weniger Genuss", sagte die Ministerin am Dienstag auf dem Kongress "Kinder und Ernährung" in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Wissenschaftler und Politiker waren sich einig: Kinder müssten lernen, dass der Körper Obst besser als Schokolade gebrauchen könne und wie sie gesundes Essen zubereiten können. Auch mangelnde Bewegung sei eine der Hauptursachen für die überflüssigen Pfunde.

Experten befürchteten beängstigende Entwicklungen, betonte Künast. "Wenn wir nichts ändern, könnte danach in 40 Jahren jeder zweite Erwachsene fettleibig sein." Die Ministerin will erstmals Eltern, Kindertagesstätten und Wissenschaftler mit Vertretern der Lebensmittelwirtschaft zusammenbringen. Sie sollen die Ursachen für die zunehmenden Gewichtsprobleme junger Menschen zusammentragen und gemeinsam Lösungen finden. Künast kritisierte erneut die Werbung. Diese suggeriere häufig, dass bestimmte Lebensmittel einen besonderen Zusatznutzen für Kinder hätten.

Die Folgen des Übergewichts seien sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitswesen erdrückend. Viele dicke Menschen litten an Gelenkschäden, Herz-Kreislauf-Störungen oder an Diabetes, sagte Künast. Ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen entstünden durch falsche Ernährung. Viele Kinder hätten mit enormen Scham- und Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen. Eine Studie habe ergeben, dass der übergewichtige Nachwuchs in vielen Fällen genauso unglücklich sei wie krebskranke Kinder, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssten.

Die Weichen werden in der Kindheit gestellt

Schon in frühester Kindheit entscheide sich, was und wie ein Mensch später esse, sagte Künast. Eltern, aber auch Kinder in Tagesstätten und der Schule müssten ein besseres Bewusstsein dafür bekommen, was der Körper brauche. Statt sich abgepacktes Essen zu kaufen, sollten Kinder nach den Worten Künasts zunächst wieder lernen: "Wie schäle ich eine Möhre und wie schmiere ich ein Brot." In den Schulen will die Ministerin prüfen, was es am Kiosk zu kaufen gibt.

Drei-Punkte-Plan gegen Übergewicht angekündigt

Mit der Aktion "Fit Kids" hatte Künast bereits im vergangenen Jahr Kindergärten in ganz Deutschland über gesundes Essen informiert. Im März 2003 hatte sie einen Drei-Punkte-Plan gegen das weit verbreitete Übergewicht bei Kindern angekündigt. Unter anderem forderte sie ein Unterrichtsfach für Ernährung und Verbraucherschutz in der Schule und weniger Fett in Lebensmitteln für Kinder.

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, David Byrne stellte neue Regelungen für die bessere Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz auf Lebensmittelverpackungen in Aussicht. Damit könnten sich die Verbraucher besser für oder gegen bestimmte Nahrungsmittel entscheiden. Die Spezialistin für Kinderernährung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO, Aileen Robertson, plädierte dafür, Obst und Gemüse auch in der Agrarpolitik der Europäischen Union einen größeren Stellenwert beizumessen. Nur vier Prozent des Haushalts werde dafür eingesetzt. Auf tierische Produkte, die ungesünderes Fett enthielten, entfiele die Hälfte des Budgets.

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