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OECD geht mit Europa hart ins Gericht

Die Organisation prangert die Gründe für die Konsumfeindlichkeit in Europa an: Mangelndes Vertrauen in Finanzpolitik und Wirtschaftsstruktur.

DAVOS. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer paradoxen Situation. Zwar setzt sich der von den USA getragene Aufschwung fort, aber nach Einschätzung der OECD mit "gefährlichen Unausgewogenheiten". OECD-Chefökonom Jean Philippe Cotis, - der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine aktualisierte Version des World Economic Outlook präsentierte, ging vor allem mit Europa hart ins Gericht. "Es liegt ein großer Schatten über einer nachhaltigen Erholung in Europa, der Aufschwung ist sehr schwach."

Strukturelle Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt und eine unzureichende Nachfrage führten nach einem steilen Abschwung nun bestenfalls zu einen Aufschwung mit dem "Radius einer Banane". "Europa hat es in den guten Tagen versäumt, fiskalpolitische Vorsorge für schlechte Tage zu treffen", sagte Cotis. Obwohl kein Mangel an Liquidität vorhanden sein, gäben die Europäer zu wenig Geld aus. Die Konsumfeindlichkeit führt die OECD auf mangelndes Vertrauen in Finanzpolitik und Wirtschaftsstruktur zurück.

Das Wachstum in Europa bleibt nach Einschätzung der OECD im ersten Quartal 2004 merklich hinter dem in Japan und in den USA zurück. So wachse die Wirtschaft voraussichtlich im 4. Quartal 2003 und im 1. Quartal 2004 im Verhältnis zum Vorquartal und dann auf Jahresrate hochgerechnet nur um 2 bis 2,5 % in Europa, jedoch um 4 % in Japan und 5,5 % in den USA. Ein Grund für Europas Schwäche liegt für die OECD darin, dass die deutsche Konjunktur nicht anspringe. "Europa ist wie ein Flugzeug mit nur einem Flügel", meint Cotis. Die Prognose für Japan bezeichnet die OECD hingegen als die "herzerfrischendste seit langer Zeit". Die USA müssten sich darauf einstellen, dass die Arbeitslosenzahlen weiterhin trotz Aufschwungs nicht abnähmen

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Verstärkt haben sich die europäischen Probleme durch die starke Aufwertung des Euro. OECD-Generalsekretär Donald Johnston zeigte sich in Davos in einem Gespräch mit dem Handelsblatt besorgt über die Volatilität auf den Devisenmärkten. "Für Handel und Investitionen wären stabile Wechselkurse sehr wünschenswert", sagte der OECD-Chef. Auch für den deutschen Finanzstaatssekträr Caio Koch-Weser ist der Euro-Anstieg Anlass zur Sorge. Er bekräftigte in Davos seinen Standpunkt, das der hohe Kurs die Wachstumsaussichten in der Eurozone schwäche.

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