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Oecd hebt Wachstumsprognose für Deutschland an - Aber Binnenrisiken

Deutschland bleibt nach Einschätzung der Oecd trotz "beneidenswerter" Exporterfolge wegen seiner extrem schwachen Binnennachfrage ein Sorgenkind der Weltkonjunktur. Wie in ganz Europa komme die Wirtschaft auch in Deutschland in diesem Jahr schneller in Fahrt als noch im Mai erwartet, erklärte die Oecd am Dienstag in einem Zwischenbericht. Der Aufschwung trage sich aber nicht selber. In den USA flache der Boom etwas ab. Insgesamt habe die Weltkonjunktur den Turbulenzen am Ölmarkt erfolgreich getrotzt.

dpa-afx PARIS. Deutschland bleibt nach Einschätzung der Oecd trotz "beneidenswerter" Exporterfolge wegen seiner extrem schwachen Binnennachfrage ein Sorgenkind der Weltkonjunktur. Wie in ganz Europa komme die Wirtschaft auch in Deutschland in diesem Jahr schneller in Fahrt als noch im Mai erwartet, erklärte die Oecd am Dienstag in einem Zwischenbericht. Der Aufschwung trage sich aber nicht selber. In den USA flache der Boom etwas ab. Insgesamt habe die Weltkonjunktur den Turbulenzen am Ölmarkt erfolgreich getrotzt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung habe ihre Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr von 1,1 auf 1,7 % heraufgesetzt, sagte der Oecd-Chefökonom Jean-Philippe Cotis in Paris. Frankreich könne mit 2,7 statt 2,0 % rechnen. Für die gesamte Euro-Zone erwarte die Oecd nun 2,0 statt 1,6 % Wachstum, für Großbritannien sogar 3,6 statt 3,4 %. Damit verringert sich der Abstand zu den USA, wo die Wirtschaft nach einem schwachen zweiten Quartal im laufenden Jahr mit 4,3 statt 4,7 % expandieren dürfte. Japan könne mit 4,4 (bisher erwartet: 3,0) Prozent Wachstum die USA sogar überholen.

Deutsche Reagieren Negativer AUF Unsicherheiten ALS Andere

Zu den Schwachpunkten der Weltkonjunktur zählte Cotis die großen Unterschiede in der Euro-Zone. Deutschland weise gleichzeitig das stärkste Exportwachstum und die schwächste Binnennachfrage aus. "Der Aufschwung ist in Deutschland nicht autonom", sagte Cotis. Die Sozialreformen könnten zwar mittelfristig helfen, hätten aber wohl eine negative Wirkung auf die Nachfrage. Derzeit reagierten die Deutschen schneller negativ auf Unsicherheiten als andere.

Als weitere Konjunkturrisiken nannte Cotis die Instabilität der Ölpreise sowie die geringe Schaffung von Stellen und den allzu schleppenden Abbau der Staatsdefizite im laufenden Aufschwung. Mit dem Rekordefizit in der US-Leistungsbilanz im Bereich von fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes werde man dagegen leben müssen, sagte Cotis. Das Defizit sei zwar ein Risiko, doch seine Finanzierung sei nicht mehr so abhängig von den asiatischen Zentralbanken und eine Dollarabwertung würde der Weltkonjunktur schaden.

Hoher Ölpreis Ohne Spürbaren Schaden

Ohne spürbaren Schaden hat die Weltwirtschaft die unerwartet hohen Ölpreise im Sommer verkraftet. Der Preisschub habe zwar deutliche Auswirkungen auf die Inflationsraten, doch verharre die Kerninflation immer noch bei 1,5 %, sagte Cotis. Dies sei ein gutes Vorzeichen für die Konjunktur. Die Notenbanken seien nicht gezwungen, die Zinsen anzuheben, um eine Inflationsspirale zu verhindern. "Die abwartende Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist angemessen", sagte Cotis.

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