OECD lobt konsequente Wirtschaftspolitik
Südkoreas Reformen tragen Früchte

Durch radikale Strukturreformen hat Korea die Wirtschaftskrise vor fünf Jahren gemeistert. Die Wachstumsdynamik scheint ungebrochen. Probleme sehen Experten im Inflationsdruck und in der alternden Gesellschaft. Behält Südkorea aber seine Reformbereitschaft bei, ist es für die Zukunft gut gewappnet.

kte DÜSSELDORF. Die südkoreanische Wirtschaft befindet sich auf einem soliden Wachstumskurs. Das Land erntet heute die Erfolge der breit angelegten, aber schmerzhaften Strukturreformen. Diese hatte die Regierung nach der schweren Wirtschaftskrise von 1997/98 mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds konsequent umgesetzt.

Fast durchweg positiv fällt somit das Urteil der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im aktuellen Länderbericht aus. Allerdings dürfe Südkorea die gestarteten Reformen - vor allem in den Bereichen Banken, Unternehmen und soziale Sicherheit - nicht schleifen lassen.

Angesichts der schwachen Weltkonjunktur ist Südkoreas Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,1 % im Jahr 2002 durchaus beeindruckend. Auch für dieses und nächstes Jahr erwartet die OECD ähnlich hohe Zuwachsraten. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Wohnungsbau und dem regen privaten Konsum (+7,3 %). Allerdings führte die neu geweckte Kauflust der Südkoreaner - nun auch verstärkt per Kreditkarte auf Pump - zu einem rapiden Anstieg der privaten Verschuldung.

Gewisse Sorgen bereitet der OECD auch der zunehmende Inflationsdruck. Ursächlich für den Preisauftrieb sind der starke Anstieg der Immobilienpreise und der Löhne (+9 %). Die Leitzinsen befinden sich nach Ansicht der Experten weiter auf sehr niedrigem Niveau. Die koreanische Zentralbank müsse aber allmählich von ihrer Politik des leichten Geldes Abschied nehmen, um den gesetzten Inflationsrahmen halten zu können. Zudem fordert die OECD eine noch stärkere Unabhängigkeit der Zentralbank.

Die Experten loben ausdrücklich die Reformen im Finanzsektor: "Der Bankensektor ist wieder profitabel, und die faulen Kredite sind auf ein Rekordtief gefallen." Insgesamt 157 Bill. Won (27 % des BIP) sind in diesen maroden Sektor geflossen. Die Folge ist, dass noch immer viele Banken quasi in staatlicher Hand sind. Die OECD fordert eine rasche Re-Privatisierung.

Eine neues Risikopotenzial für notleidende Kredite lauere im Unternehmensbereich. Über ein Viertel der koreanischen Firmen erwirtschaftet zu wenig Gewinn, um die Zinsen ihrer Schulden zahlen zu können. Ein verbessertes Konkursrecht sei deshalb unabdingbar. Korea müsse zudem dringend sein löchriges Steuersystem stopfen. Infolge vielfältiger Ausnahmen zahlt nur die Hälfte aller Einkommensempfänger überhaupt Steuern. Auch bei der Unternehmensbesteuerung und der Mehrwertsteuer sollte laut OECD die Steuerbasis verbreitert werden. Denn das Land ist in Zukunft auf höhere Einnahmen essentiell angewiesen. Bisher sind die öffentlichen Ausgaben in Südkorea mit einem Anteil von nur 22,5 % am BIP die zweitniedrigsten aller Industrieländer.

Der Grund: Das soziale Netz ist nur schwach ausgebaut. Bei Arbeitslosen, Kranken und vor allem bei Rentner gebe es großen Nachholbedarf. Das drohende Armutsproblem infolge der rapiden Alterung der koreanischen Gesellschaft müsse vermieden werden. Das staatliche Rentensystem - 2008 beginnen die Auszahlungen - sei noch reformbedürftig. Auch bei Forschung und Erziehung sieht die OECD - trotz der hervorragenden Pisa-Ergebnisse Südkoreas - noch staatliche Defizite.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%