OECD rechnet erst im nächsten Jahr mit weniger Arbeitslosen
Erholung des internationalen Arbeitsmarkts verzögert sich

Ähnlich wie der Vorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, rechnet auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris mit einer Entspannung am Arbeitsmarkt - - allerdings entgegen Gersters deutscher Projektion erst im nächsten Jahr. In diesem Jahr wird die internationale Arbeitslosigkeit noch deutlich steigen, schreibt die OECD in ihrem jetzt veröffentlichten Arbeitsmarktbericht.

ay DÜSSELDORF. Schuldig an der desolaten Entwicklung des Arbeitsmarktes ist nach Meinung der OECD die langsame wirtschaftliche Erholung in den meisten europäischen Staaten, die zudem noch hinter dem Aufschwung in den USA und Asien um rund ein halbes Jahr hinterherhinkt. Deshalb kommt es insgesamt in allen 30 OECD-Mitgliedstaaten - das sind quasi alle Industriestaaten der Welt - in diesem Jahr noch zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 2,7 Millionen auf 35,6 Millionen, im nächsten Jahr werden es dann noch 34,9 Millionen sein gegenüber 32,9 Millionen Ende des vergangenen Jahres. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,9 % im nächsten Jahr. Der Höchststand der Arbeitslosigkeit in den OECD-Ländern lag bei 8 % im Jahr 1993; obwohl sie damit bis heute gesunken sei, ist sie für die OECD immer noch "unakzeptabel hoch".

Die Zahlen der OECD sind beispielsweise mit der deutschen Statistik nicht vergleichbar (die deutschen liegen darüber), weil sie auf anderen Erfassungsmethoden beruhen. Trotzdem spiegeln sie den Trend wider: Zu den 3,1 Millionen deutschen Arbeitslosen (nach der OECD-Methode) kommen in diesem Jahr 0,2 Millionen hinzu, 2003 sinkt die Zahl dann um 0,1 Million und liegt damit immer noch über jener vom Dezember 2001. Ähnlich verhält es sich mit der Arbeitslosenquote, die von 7,4 Millionen (Ende Dezember 2001) über 7,8 Millionen 2002 auf 7,6 im nächsten Jahr steigt.

Einen Trost hat die OECD für die Mitglieder Australien, Griechenland, Italien, Korea und Slowakei: Sie sind die wenigen Länder, in denen die Arbeitlosenquote sinkt, wenn auch geringfügig. Allerdings bleibt in Griechenland, der Slowakei, Polen und Spanien die Quote dieses Jahr selbst nach OECD-Maßstäben rekordverdächtig und zweistellig. Einen ungewohnt kräftigen Zuwachs an Arbeitslosen rechnet die OECD für die USA im Durchschnitt dieses Jahr aus, nämlich um 0,8 % auf 5,6 % - der tiefe Einbruch der US-Produktion Anfang des Jahres zeigt hier seine Spuren. Die japanische Arbeitslosenquote wird sogar um einen vollen Prozentpunkt auf 6,0 % (2003) steigen und damit den höchsten Stand der letzten 50 Jahre erreichen.

Wegen der Verlangsamung der Konjunktur 2001 und zu Beginn dieses Jahres war nach den Beobachtungen der OECD auch die Zunahme der Beschäftigung deutlich niedriger als in den Vorjahren. Zu den aus der Vergangenheit gewohnten Wachstumsraten werden die OECD-Länder auch frühestens 2003 zurückkehren. In den europäischen OECD-Staaten wird die Beschäftigung im Durchschnitt 2002 nur noch um 0,4 % zunehmen, nachdem diese Rate 2001 noch bei plus 1,3 % gelegen hatte - im nächsten Jahr nimmt sie wieder um 0,9 % zu. In den USA geht die Zahl der Beschäftigten dieses Jahr sogar um 0,4 % zurück.

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