OECD sieht positive Anzeichen bei Neuemissionen
Investoren interessieren sich stärker für traditionelle Aktien und Anleihen

Das Anlageverhalten der Profis hat sich geändert. Sie favorisierten werthaltige Aktien und Bonds, stellt die OECD fest. In ihren Kassen lagerten große Barreserven.

abo PARIS. Aktien aus der "Old economy" seien stark gefragt, und in Europa boomten die Märkte für Unternehmensanleihen. Beide Faktoren sind für die Ökonomen der OECD Hinweise darauf, dass die Börsen sich nicht in einer Rückzugsphase befinden. Die jüngste Ausgabe der von der OECD herausgegebenen "Financial Market Trends" stellt fest, dass die Investoren ihr Interesse wieder mehr auf Unternehmen mit soliden Erträgen und einigermaßen vorhersehbaren Aussichten (Value stocks) konzentriert hätten. Von den an der Nasdaq gehandelten Technologiewerten nähmen sie mehr und mehr Abstand.

Bei vielen Werten der traditionellen Wirtschaftszweige sind größere Kursverluste den OECD-Ökonomen zufolge nicht auszumachen. So seien die im Dow Jones geführten großen Industriewerte, aber auch die kleineren Unternehmen des Index' Russell 2000 im Frühjahr 2001 etwa zu den selben Kursen notiert worden wie ein Jahr zuvor.

Auch hält die Regierungsorganisation, der die führenden Industrieländer der Welt angehören, die Aussagekraft der Nasdaq-Kurse für überbewertet. So seien die Umsätze dort weniger zurückgegangen als die Kurse, argumentieren die Autoren.

Kurse an den Aktienmärkten ziehen an

Im zweiten Quartal 2001, so berichtet die OECD-Studie, hätten die Kurse an den Aktienmärkten deutlich angezogen. Die Autoren sehen das als Beleg dafür an, dass makroökonomische Fundamentaldaten wieder in die Kurse Eingang fänden - vor allem hätten sich die US-Zinssenkungen ausgewirkt.

Den bei diesen Entwicklungen zu beobachtenden Gleichschritt der Kapitalmärkte in den verschiedenen Wirtschafts- und Währungsräumen erklären sich die OECD-Ökonomen mit der zunehmenden Rolle international operierender Institutionen unter den Anlegern. Doch auch das Zusammenwachsen der Märkte wird als mögliche Ursache dafür genannt.

Emissionstätigkeit kommt in Gang

Die Organisation sieht des weiteren Anzeichen dafür, dass die Emissionstätigkeit wieder in Gang kommt. In der Studie wird das Beispiel des spanischen Handelsunternehmens Zara erwähnt, dessen Erstemission 53fach überzeichnet gewesen sei. In den USA sei Peabody Electricity mit einem Aufschlag von 30 % am Markt gestartet, auch die Privatisierungs-Emission der norwegischen Statoil sei gut aufgenommen worden. Die Mehrzahl der Emittenten stammt laut OECD aus traditionellen Wirtschaftszweigen. Doch auch Firmen aus techniknahen Branchen wie Vodafone oder Instinet hätten mit der Ausgabe von Aktien Glück gehabt.

Insgesamt zählte die OECD im ersten Halbjahr 2001 Erstemissionen im Volumen von 35 Mrd. $, etwa die Hälfte des Vergleichswertes aus dem Vorjahr. Gleichzeitig bewerten ihre Ökonomen die Nachfrage als hoch. Viele Institutionen hielten ungewöhnlich hohe Barpositionen. Bei den europäischen Pensionsfonds machten diese 4,5 % des Portfoliovolumens aus.

Besonders stabil hat sich das Anleihen-Emissionsgeschäft gehalten: Die Bondemissionen von europäischer Adressen hätten im ersten Halbjahr 2001 genau so stark zugenommen wie vor einem Jahr, leiten die Autoren aus Zahlen der Europäischen Zentralbank ab. Denen zufolge haben die Emissionen von privaten Adressen mit 9 % sogar deutlich stärker zugenommen. Das führen sie auf eine Annäherung der Zinssätze bei staatlichen und Unternehmens-Anleihen zurück.

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