OECD-Studie entsetzt Bildungspolitiker
Schlechte Noten für deutsche Schüler

Mehrere Zeitungen, darunter der "Tagesspiegel", hatten vorab berichtet, dass bei der am Dienstag offiziell vorgestellten Studie deutsche Schüler im internationalen Leistungsvergleich nur im unteren Viertel landen.

HB BERLIN. Besonders schlecht schnitten 15-jährige deutsche Schüler bei den Leistungsvergleichen in den Naturwissenschaften (Rang 20 von 32) sowie bei der Beherrschung ihrer Muttersprache ab. Mehr als jeder fünfte Schüler, so die Pisa-Studie, besitzt nur eine sehr eingeschränkte Lesekompetenz. Ein schlechtes Abschneiden war seit langem erwartet worden, zumal deutsche Schüler auch bei früheren internationalen Vergleichen wie etwa der TIMSS- Studie nur auf hinteren Plätzen gelandet waren.

Als Antwort auf die Ergebnisse forderten Bildungspolitiker aller Parteien sowie Vertreter von Wirtschaftsverbänden eine radikale Reform des Schulwesens. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sprach sich für eine frühere und bessere Förderung gerade benachteiligter Schüler aus. Erst am vergangenen Mittwoch hatte Bulmahn zusammen mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) die Empfehlungen des "Forums Bildung" vorgelegt, in dem ebenfalls umfangreiche Reformen wie eine stärkere Förderung im frühkindlichen Alter vorgeschlagen werden.

Sowohl die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) als auch die FDP sprachen von einer "Bildungskatastrophe". Das Ergebnis sei umso schlimmer, als diesmal nicht nur Faktenwissen überprüft worden sei, sondern die Kompetenz verglichen wurde, wie Wissen umgesetzt wird, hieß es bei der BDA. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig-Georg Braun.

Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan, stellvertretende CDU-Vorsitzende und derzeit Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), kündigte als Konsequenz eine verbesserte Lehrerfortbildung an. Bulmahn sprach sich dagegen aus, den Lehrern die Hauptschuld für das schlechte Abschneiden der Schüler zuzuschieben. Es müsse mehr getan werde, um den Lehrerberuf aufzuwerten. Die Lehrerverbände forderten eine "Qualitätsoffensive" an den Schulen.

Reformen sind nur schwer durchzusetzen

Die Pisa-Studie untersuchte den Leistungsstand in 32 Industrienationen. Insgesamt wurden die Ergebnisse von 60 000 deutschen Schüler ausgewertet. Erstmals stellten sich die Bundesländer dabei auch einem internen Vergleich. Diese Ergebnisse sollen jedoch erst im kommenden Jahr vorgestellt werden.

Wie schwer Reformen im deutschen Bildungssystem durchzusetzen sind, zeigte sich am Freitag im Bundesrat. Die Länderkammer stoppte die von Bulmahn angeschobene Dienstrechtsreform an Hochschulen. Zwar gilt die Änderung des Hochschulrahmengesetzes als beschlossen, weil sie nach Ansicht des Bundes nicht zustimmungspflichtig ist. Aber der Bundesrat rief bei der Reform der Professorenbesoldung den Vermittlungausschuss an, der diese Woche tagen soll. Hintergrund ist die Sorge gerade vieler ärmerer Bundesländer, dass die Reform eine Kostenexplosion bei den Personalausgaben an den Hochschulen auslösen wird.

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