OECD verkündet erstmals seit 20 Jahren schrumpfende Wirtschaft
USA ziehen Industrieländer 2002 aus der Rezession

Die Volkswirtschaften der wichtigsten Industrieländer schrumpfen. Erst im kommenden Jahr wird eine dynamische US-Konjunktur der Weltwirtschaft neue Impulse geben, prophezeit die OECD.

pbs/tr/abo DÜSSELDORF. Angesichts einer schrumpfenden Wirtschaft in den wichtigsten Industrieländern drängt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf umgehende wirtschaftspolitische Reformen. In ihrem aktuellen Konjunkturbericht konstatiert die Organisation ein negatives Wachstum in den OECD-Staaten für das zweite Halbjahr dieses Jahres von 0,3 %. Damit befinden sich die Industrieländer zum ersten Mal seit 20 Jahren in der Rezession.

Aber bereits für das zweite Halbjahr 2002 stellt die OECD ein Wachstum von 2,9 % in Aussicht. Die US-Wirtschaft werde die Konjunktur weltweit wieder ankurbeln. Erste Anzeichen dafür gab gestern der unerwartete Anstieg des Indexes der US-Frühindikatoren für Oktober um 0,3 Prozentpunkte auf 109,4 Indexpunkte gegenüber dem Vormonat. Erst im September war der Index um 0,5 % zurückgegangen. Das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board berechnet den Index aus zehn Einzel-Indikatoren. Er bildet die Entwicklung in drei bis sechs Monaten ab.

Für die Ankurbelung der Weltwirtschaft gibt die OECD konkrete Empfehlungen. So solle die US-Notenbank die Auswirkungen ihrer bisherigen Zinssenkungen abwarten, um die Zinsen vorläufig unverändert zu halten. Nach insgesamt zehn Zinsschritten liege der Leitzins bei 2,0 % und habe damit das niedrigste Niveau seit 1961 erreicht. Für die Europäische Zentralbank (EZB) gebe es allerdings noch reichlich Spielraum.

Außerdem müssen die Kapitalbeschaffung an den Finanzmärkten für die Unternehmen und die Beteiligung an Unternehmen erleichtert werden. Zudem sollte das Steuersystem vereinfacht werden. Die in Europa gültige Übernahme-Gesetzgebung sei zu streng, wird im Bericht weiter kritisiert.

Auch die Arbeitsmärkte bereiteten Sorgen. Sie seien zu verkrustet und die strukturelle Arbeitslosigkeit sei zu hoch. In diesem Jahr wird die Arbeitslosigkeit in den OECD - Staaten zum ersten Mal seit sieben Jahren nicht mehr zurückgehen, sondern steigen: auf 6,5 % von 6,3 % im Vorjahr.

Mit ihren Konjunkturprognosen wagt sich die OECD bis ins Jahr 2003 vor. Sie geht davon aus, dass die Euro-Zone bei einer Konjunkturerholung den USA hinterherhinken wird. Erst Ende 2002 dürfte es in Euro-Land wieder bergauf gehen. "Die USA haben Fiskal- und Geldpolitik wesentlich früher und stärker gelockert", sagte Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank in Frankfurt, zur Begründung.

Für die USA rechnet die OECD in diesem Jahr nur noch mit einem Plus von 1,1 %. Im letzten Halbjahr 2001 und im ersten Halbjahr 2002 werde die US-Wirtschaft dagegen schrumpfen - um 0,6, bzw. um 0,1 %. Für 2002 soll sich insgesamt deswegen nur ein Plus von 0,7 % ergeben. Im Jahr 2003 werde der Aufschwung dann mit einem Zuwachs von 3,8 % deutlich an Fahrt gewinnen.

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