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OECD will Rückversicherer kontrollieren

Die Probleme der Branche könnten sich negativ auf den kompletten Finanzsektor auswirken, befürchtet die Organisation.

PARIS. Die 30 Mitgliedstaaten der OECD fordern die Schaffung eines länderübergreifenden Kontrollsystems für Rückversicherungsgesellschaften. Dazu wollen sie noch in dieser Woche eine gemeinsame Erklärung abgeben. Die Kontrolle der Branche müsse ausgeweitet werden. Denn diese fungiere zwar als Dreh- und Angelpunkt des internationalen Finanzsystems, habe sich aber bislang einer externen Prüfung weitgehend entzogen.

Die Regierungen der Mitgliedstaaten haben sich auf eine verbindliche Regelung geeinigt. Demnach tauschen die Staaten künftig sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen und Daten zu Rückversicherungsgesellschaften aus, die in den betreffenden Märkten aktiv sind. Durch diesen Informationsaustausch sollen Betrugsdelikte, Zahlungsunfähigkeit und Einschränkungen der Geschäftstätigkeit leichter aufgedeckt werden können. "Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die finanzielle Situation der Rückversicherungsgesellschaften geschwächt haben. In Zukunft werden wir sie genauer kontrollieren", kündigt Cecile Vignial an, bei der OECD zuständig für Versicherungsfragen. "Die Rückversicherungsgesellschaften sind ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Finanzsektors. Der Zusammenbruch eines großen Rückversicherers könnte für den ganzen Sektor eine wichtige Signalwirkung haben", fügte sie hinzu.

Branchenexperten auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen sich über die angeschlagene Situation der Versicherungsbranche weltweit. Die Rückversicherer decken viele der Risiken ab, die Lebens- oder Sachversicherungsgesellschaften für ihre Kunden versichert haben. Als Versicherer in letzter Instanz sind sie verantwortlich dafür, dass Versicherungsgeschäfte reibungslos abgewickelt werden können. Weltweit hatte die Branche in den vergangenen zwölf Monaten eine Reihe von Krisen zu meistern. Dazu zählten die Schäden und Verluste durch die Terroranschläge vom 11. September, Naturkatastrophen und zunehmende Rechtsstreitigkeiten zu Fragen der gesetzlichen Haftung. Der Zusammenbruch der Welt- Aktienmärkte und eine Reihe von Ausfällen am Markt für Unternehmensanleihen (corporate bonds) wie Worldcom haben die Misere noch verstärkt. Dies gilt insbesondere für europäische Versicherer, die im Vergleich mit den US-Gesellschaften tendenziell einen höheren Anteil ihrer Reserven in Form von Aktien halten.

So sind auch die Rückversicherer von dem Ausverkauf an den Finanzmärkten nicht verschont geblieben. Bislang gibt es jedoch bei keiner Gesellschaft einen Hinweis darauf, dass sie dem Druck nicht standhalten könnte. Im vergangenen Monat hat allerdings die Ratingagentur Moody?s Investors Services das Rating des großen Rückversicherers Münchener Rück von vormals "AAA" herabgestuft. Der Schritt wurde damit begründet, dass die Kapitaldeckung erheblich abgenommen habe. In einem weiteren Report vom vergangenen Monat kam Moody?s zu einer langfristig negativen Prognose für die Rückversicherungsbranche weltweit.

Im vergangenen Jahr unterschrieben die Rückversicherer Prämien im Gesamtwert von 99,5 Mrd. Euro. Die deutschen Gesellschaften hatten daran einen Anteil von 29%, und die US-Gesellschaften von 27%. Rückversicherer aus der Schweiz und aus Großbritannien kamen nach einer Erhebung von Standard &Poor?s jeweils auf 9%. Bermuda, inzwischen ein bedeutendes Eldorado für Rückversicherer, hatte einen Anteil von 8%. Doch bis heute werden die Rückversicherer viel weniger durch nationale Regulatoren kontrolliert als Versicherungsgesellschaften. Denn sie agieren ausschließlich im B-to-B- Bereich, ohne Geschäftskontakte zu Endverbrauchern. Bis heute gibt es lediglich eine unverbindliche Empfehlung für die Versicherungsgesellschaften, Informationen über Rückversicherer grenzüberschreitend auszutauschen. Die im Juli formulierte OECD-Regelung soll nun Abhilfe schaffen.

Andrew Crockett, Chairman des Financial Stability Forums der G7-Staaten sagte bei einem IWF - Treffen, dass die mangelnde Transparenz über die Rückversicherer Grund zur Besorgnis gebe. "Die Undurchsichtigkeit des gesamten Marktes und die mangelnde Publizität der Gesellschaften macht es schwierig, die potenzielle Auswirkung von Problemen bei Rückversicherern auf den Versicherungssektor und die finanzielle Stabilität im allgemeinen einzuschätzen."

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