Öffentliche Trauerfeier für SPD-Politikerin
Abschied von Regine Hildebrandt

Mit einer Gedenkfeier in der Potsdamer Nikolaikirche haben rund 1000 Trauergäste am Dienstag Abschied von Regine Hildebrandt genommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigte die beliebte SPD-Politikerin als eine kämpferische und Mut machende Frau: "Für viele Menschen, nicht nur in Not und Verzweiflung, war sie eine Hoffnung."

dpa POTSDAM. Ihre Botschaft sei gewesen: Es lohnt sich aufrichtig zu sein und sich für Probleme zu interessieren. Hildebrandt war in der Nacht zum 27. November im Alter von 60 Jahren an einem schweren Krebsleiden gestorben.

Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) bezeichnete Hildebrandt als "unermüdliche Kämpferin für die Benachteiligten, die Mutter Courage des Ostens". Die in ganz Deutschland hoch angesehene ehemalige brandenburgische Sozialministerin sei eine innerdeutsche Brückenbauerin gewesen, sagte Stolpe vor den Trauergästen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, würdigte Hildebrandt als außergewöhnliche Frau. Sie sei rechtschaffen, untadelig, an der Wahrheit orientiert gewesen - "für die sie übrigens schneller Worte fand als irgendjemand sonst", sagte Huber in einführenden Worten über die aktive Protestantin. Regine Hildebrandt war am Montag in ihrem Wohnort Woltersdorf (Kreis Oder-Spree) im Familienkreis beigesetzt worden.

An der Trauerfeier in Potsdam nahmen neben der Familie Hildebrandt unter anderem die SPD-Regierungschefs Heide Simonis (Schleswig- Holstein), Reinhard Höppner (Sachsen-Anhalt), Harald Ringstorff (Mecklenburg-Vorpommern) und Klaus Wowereit (Berlin) sowie zahlreiche Mitglieder des Bundeskabinetts teil. Vor der Nikolaikirche hatten sich bei regnerischem Wetter zahlreiche Bürger versammelt.

Stolpe betonte, Hildebrandt habe im Westen Respekt vor den Biografien der Ostdeutschen gefordert und im Osten um Verständnis für die westdeutschen Lebenswege geworben. "Sie war Leben und wollte leben", sagte der Regierungschef über seine langjährige Mitstreiterin im Potsdamer Kabinett. Die Mutter dreier Kinder habe rastlos für soziale Gerechtigkeit gekämpft und es dennoch geschafft, Ehefrau, Mutter, Großmutter sowie ein Koch- und Backwunder zu sein.

Bischof Huber sagte, "wie außergewöhnlich Regine Hildebrandt war, zeigte sich nicht nur im Großen; es zeigte sich ebenso im Kleinen." Sie wollte bis ans Ende ihre Pflicht erfüllen. Mit bewegenden Worten erinnerte das Kirchenoberhaupt daran, dass bei der Nachricht vom Tod Hildebrandts Menschen für Augenblicke den Atem angehalten, ihre Arbeit unterbrochen, den Tränen freien Lauf gelassen haben.

In Berlin und Brandenburg waren am Dienstag die Flaggen auf halbmast gesetzt. Unterdessen nahmen weiterhin Menschen in der gesamten Bundesrepublik am Tod der "Mutter Courage des Ostens" Anteil. In Brandenburg trugen sich viele in die Kondolenzbücher ein.

"Eine solche Anteilnahme am Ableben eines Politikers habe ich vorher nur ein einziges Mal erlebt - beim Tod Willy Brandts. Es sind Menschen aus Ost und West und aus allen Bevölkerungsschichten. Man hat den Eindruck, als trauerten sie um jemanden aus der eigenen Familie", sagte SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness der dpa.

Im virtuellen Kondolenzbuch auf der Internetseite der promovierten Biologin wurden bis Montag nach Angaben des SPD-Landesvorstandes mehr als 5500 Einträge aus der gesamten Bundesrepublik gezählt.

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