Öffentlichkeit im zweitgrößten Ölexportland der Welt weiter gespalten
Dänen beeinflussen Europa-Debatte in Norwegen

Der Ausgang des Euro-Referendums in Dänemark findet außerhalb der EU die vielleicht größte Beachtung in Oslo. Mit dem Ja oder Nein zur Gemeinschaftswährung in Dänemark wird auch der künftige Kurs der europapolitischen Debatte in Norwegen bestimmt, das als zweitgrößter Ölexporteur der Welt zunehmenden Wohlstand erwirbt.

ap OSLO. Zwei Mal haben die Norweger einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft abgelehnt: Sowohl 1973 als auch 1994 fiel das Ergebnis denkbar knapp aus. Auch heute noch ist die Öffentlichkeit Umfragen zufolge etwa gleichmäßig in Gegner und Befürworter der EU geteilt. Das dänische Referendum fiel am Donnerstag in eine Zeit, in der die lange ins Abseits gedrängte Europa-Diskussion in Norwegen langsam wieder an Dynamik gewinnt. Beim letzten EU-Referendum in Norwegen war der Meinungskampf so erregt, dass die im Parlament vertretenen Parteien beschlossen, eine neue Debatte über die Mitgliedschaft bis nach den Wahlen im nächsten Jahr zu verschieben.

Keine unmittelbaren Folgen für das eigene Land erwartet Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der eine EU-Mitgliedschaft befürwortet: "Es ist eine wichtige Abstimmung für Dänemark und für Europa. Ich denke aber nicht, das die Abstimmung direkte Auswirkungen auf Norwegen haben wird." Die Presse ist sich jedoch einig, dass ein Nein in Dänemark auch die Frage eines möglichen EU-Beitritts in Norwegen wieder in den Hintergrund rücken würde.

"Wenn die Dänen Nein sagen, wäre das Ergebnis eine Niederlage für das Prestige des Euros, und Norwegens Distanz zur EU würde etwas größer", schrieb die Zeitung "Aftenposten" in einem Leitartikel dieser Woche. Auch die Schwelle für die außerhalb der Euro-Zone stehenden Schweden und Briten würde weiter hinaufgesetzt.

Die Einführung des Euros in Dänemark würde die Gemeinschaftswährung rein geographisch näher an Norwegen heran führen − das sieht auch Stoltenberg. Bei einem ablehnenden Ergebnis des Referendums aber hält es der Regierungschef für möglich, dass die Idee eines Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten Auftrieb bekommen könnten. In einer solchen Staatengemeinschaft sollte dann jedes Mitglied den Grad der Bindung selbst wählen können.

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