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Öffentlichkeitsarbeit auf brasilianisch

Wenn der brasilianische Ölkonzern Petrobras Journalisten informieren will, dann klingt die Einladung nach Tropenexpedition: "Wir wollen Ihnen unsere Öl- und Gasaktivitäten im Amazonas vorstellen", heißt es in einem Mail, das vom Layout einem getippten Fax gleicht, ...

Wenn der brasilianische Ölkonzern Petrobras Journalisten informieren will, dann klingt die Einladung nach Tropenexpedition: "Wir wollen Ihnen unsere Öl- und Gasaktivitäten im Amazonas vorstellen", heißt es in einem Mail, das vom Layout einem getippten Fax gleicht, "befinden Sie sich am Sonntag um 9 Uhr im Flughafen von Sao Paulo ein." Dann folgt eine detaillierte Kleidungsliste ("helle Farben, langärmelige Hemden, feste Schuhe etc."), sowie Impfvorschriften, Angaben zu den tropischen Bedingungen im Regenwald wie zu einer Exkursion - aber weder ein Programm, noch eine Liste der Interviewpartner oder eine Angabe dazu, wer genau einlädt. Immerhin ist Petrobrás ein Mammutkonzern, der von der Ölprospektion in Nigeria, über den Import bolivianischem Erdgases bis zur Petrochemie in Südbrasilien lückenlos im Energiesektor tätig ist. Und zudem einer der wichtigsten Konzerne Lateinamerikas. Im Flughafen von Manaus empfangen un s drei Herren in Petrobras-Shirts, nennen ihre Vornamen - und verweisen auf den wartenden Bus, in den wir steigen wollen. Beim Abendessen dann sitzen wir, das halbe Dutzend Journalisten zusammen - und die Herren am anderen Ende des Tisches, die eng zusammen gerückt, mit weiteren Herren Interna austauschen. Der Kollege von der japanischen Agentur, der unbedingt noch ein paar News-Zeilen schreiben muss, will wenigstens einige Zahlen hören. Doch die Petrobras-Herren blicken nur kurz auf, lächeln breit und lassen den Kollegen höflich abblitzen: "Heute reden wir nicht über ernste Dinge, heute wollen wir uns doch erst mal kennen lernen. Esst und trinkt doch erst mal ordentlich", und setzen ihre internen Gespräche fort. So geht das zwei Tage lang: Immer wenn es konkret werden soll, dann verweisen die Herren auf "später". Als ein Techniker im Dschungelcamp auf unsere Fragen eingeht, dann beenden die Herren das Frage-Antwort-Spiel schnell, "wegen des engen Ze itplans". Fotografieren an der Gaspipeline, den Ölquellen - leider nicht möglich, "später" würde der eigene Fotograf Fotos zur Verfügung stellen. Der Chef der Raffinerie entschuldigt sich nach einem umständlichen technischen Vortrag, dass seine Kollegen "später" die Fragen beantworten würden, er müsse jetzt weiter.

Später, viel später dann, in der schwülen Nacht am Ufer des Rio Negro, bei eiskaltem Bier werden die Herren dann locker - und übertreffen sich gegenseitig mit Eigenlob: Wenn Ihr wüsstet, was wir Euch alles gezeigt haben, das wäre früher unmöglich gewesen. Petrobras sei heute ein transparenter Konzern. Nur der japanische Kollegen stört höflich-stur ihren Lobgesang: Er brauche noch ein paar Zahlen, insistiert er.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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