Öffnung der Filialen bleibt Banken und Sparkassen selbst überlassen
Vorbereitung des Euro-Starts fast abgeschlossen

Die deutsche Kreditwirtschaft kann den letzten Tagen vor der Einführung der neuen Gemeinschaftswährung gelassen entgegen blicken. Lediglich der 1. Januar mit dem erwarteten Ansturm auf die neuen Münzen und Scheine bereitet den Instituten Sorge. Die Verbraucher werden zu besonnenem Handeln aufgefordert.

FRANKFURT/M. Einen Streik der Banken zur Einführung des neuen Geldes wie in Frankreich wird es in Deutschland sicherlich nicht geben. "Wir sind im europäischen Vergleich vorbildlich", zeigte sich der Eurobeauftragte des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Reinhold Rickes, zufrieden mit der Arbeit, die alle Verbände der deutschen Kreditwirtschaft bisher geleistet haben.

Das Frontloading, also die Vorabausstattung der Banken und Sparkassen mit Euromünzen und-scheinen sei ein "totaler Erfolg". Alle bestellten Münzen und rund 80 % der Banknoten seien bereits ausgeliefert, sagte Rickes, der auch für den Zentralen Kreditausschuss (ZKA) sprechen kann, in dem der DSGV derzeit den Vorsitz hat. Von daher sei nicht mit den befürchteten Engpässen bei der Auslieferung zum Jahresende zu rechnen. Auch seitens der Bundesbank gibt es Lob: Die Vorabausstattung der Banken mit dem neuen Geld komme gut voran und befinde sich auf der Zielgeraden, teilte die Notenbank mit.

Die Institute haben das gelieferte Geld auch schon weitestgehend an die Filialen weitergeleitet. "Die Arbeit ist getan", sagte etwa eine Sprecherin der Nassauischen Sparkasse (Naspa). Sämtliche 170 Geschäftstellen seien bereits mit dem neuen Geld versorgt. Hierbei habe es keine nennenswerte Probleme gegeben, weder in punkto Sicherheit, noch bei der Logistik oder der Lagerung.

Das Beispiel wird auch von der positiven Zwischenbilanz der Sicherheitsbehörden bestätigt. Die Transporte verliefen reibungslos, betonten übereinstimmend die Innenministerien der Bundesländer. Der Sicherheitsbeauftragte der Bunderegierung für die Euro-Einführung, Claus Henning Schapper, begründete dies mit den erfolgreich durchgeführten Vorarbeiten. "Es gibt keinen Grund, beunruhigt zu sein", sagte der Experte.

Dies sehen auch die Banken so: Rickes lobte die Ministerien. Durch den zur Verfügung gestellten, deutlich sichtbaren Schutz, seien alle Formen von möglichen Delikten zurückgegangen. Nach dem spektakulären Raubüberfall auf einen Geldtransporter im hessischen Lich sei es lediglich zu ein paar kleineren Zwischenfällen gekommen, erklärte der Eurobeauftragte.

Bürger sollen DM-Beträge auf Konto einzahlen

Doch nicht nur mit der Geldauslieferung, auch mit dem Rückfluss alter DM-Bestände gibt es offensichtlich wenig Probleme. Bereits 80 Mrd. der erwarteten knapp 300 Mrd. DM an alten Beständen seien eingesammelt worden, betont Rickes. Bis 28. Februar können Verbraucher sowohl mit DM als auch mit Euro bezahlen. So sollen über den Handel große Teile der im Umlauf befindlichen DM-Bestände aus dem Verkehr gezogen werden. Ansonsten mahnte Rickes die Bürger, DM nicht bar in Euro zu tauschen, sondern auf die Konten einzuzahlen, die automatisch umgestellt werden.

Die jüngste Kritik von Bundesministerin Renate Künast nimmt Rickes relativ gelassen. Künast hatte den Banken vorgeworfen, den Service für Privatkunden zu vernachlässigen, da einige Institute ihre Filialen am 1. Januar nur für mittelständische Firmenkunden öffnen wollen. "Die Kunden müssen begreifen, dass sie am 1. Januar nicht in ihre Filiale müssen", sagte der Experte. Bei Firmenkunden sei das anders. Sie könnten sich aus Sicherheitsgründen erst sehr kurzfristig mit dem neuen Geld eindecken. Aber es sei den Banken und Sparkassen selber überlassen, ob sie ihre Filialen öffnen wollten. Die entsprechenden Voraussetzungen seien durch Absprachen mit Betriebsräten geschaffen worden. Ein Personalengpass wird nicht befürchtet. "Viele Mitarbeiter wollen bei diesem historischen Termin dabei sein und arbeiten", so der Eurobeauftragte.

Alternativ sollten sich die Bürger an Geldausgabeautomaten mit dem neuen Bargeld versorgen. Doch gerade hier erwartet Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ernste Engpässe. Er fürchtet, dass die Automaten durch die große Nachfrage nach dem neuen Geld sehr schnell leer sein werden. Er forderte die Bürger deshalb auf, nicht mehr Geld zu ziehen, als unbedingt notwendig sei.

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