Öko-Aktien weiter aussichtsreich
Gutes Umfeld für grünes Geld

Mit Aktien von alternativen Energieerzeugern ließ sich im vergangenen Jahr viel Geld verdienen. Ein Öko-Fonds brachte es sogar auf über 80 Prozent Rendite. Das Umfeld für Investments in saubere Umwelt ist weiter gut, meinen Analysten, denn die Politik will alternative Energie populärer machen.

DÜSSELDORF. Wer im vergangenen Jahr sein Geld in Wind, Wasser oder Sonne investierte, hatte seine wahre Freude. Anders als beispielsweise bei Telekom - oder Internetwerten standen für die Kurse von Umwelttechnologie-Aktien die Ampeln auf grün. Langfristig sind Analysten noch immer positiv für diese Branche gestimmt.

Insbesondere Anlagen in alternative Energieerzeuger haben sich ausgezahlt. Der Focus GT-Umwelttechnologiefonds von Invesco, der seinen Schwerpunkt auf Unternehmen wie Vestas, Astropower, Solarworld oder Wedeco legt, brachte es im vergangenen Jahr auf einen Wertzuwachs von mehr als 80 Prozent.

Im Schnitt erzielten die hierzulande 18 Ökofonds nach Angaben des Ökozentrums Nordrhein-Westfalen 24 % in den ersten drei Quartalen 2000. Der Mittelzufluss in entsprechende Fonds sei innerhalb von zwei Jahren um das 36-fache gestiegen.

Focus-Fondsmanagerin Helene Korczok-Nestorov hat 40 % des Fondsvermögens von derzeit 60 Mill. - Anfang 2000 waren es noch 3,3 Mill. - in Unternehmen der alternativen Energieerzeugung gesteckt. 12 % fließen in die Wasserversorgung und etwa 10 % in Hersteller von Windturbinen wie beispielsweise den dänischen Betreiber von Windkraftanlagen Vestas.

"Der Wasseraufbereiter Wedeco und Vestas waren unter anderem meine Performancebringer, gerade letztere haben natürlich auch vom hohen Ölpreis im Herbst profitiert", sagt Korczok-Nestorov. An ihrer Anlagestrategie will sie auch in diesem Jahr nichts ändern, das Interesse an grünen Anlageformen sei hoch.

Allein der Markt für Windenergie dürfte ihrer Ansicht nach um 20 bis 30 % in den kommenden zehn Jahren wachsen. "Es ist schließlich gewollt, die alternativen Energielieferanten auf europäischer Ebene zu fördern", erklärt die Fondsmanagerin, "damit stimmen die politischen Rahmenbedingungen."

Markt birgt jedoch auch Risiken

Im April vergangenen Jahres ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft getreten, das den Erzeugern von Strom aus regenerativen Quellen feste Einspeisungspreise zusichert: 17,8 Pf pro Kilowattstunde aus Wind, 99 Pf pro Kilowattstunde aus Solarenergie. "Damit haben die Stromanbieter eine verlässliche Abnahmegarantie", erklärt Stephan Wulf, Analyst für Energieversorger bei M.M. Warburg. Die Europäische Union (EU) will bis 2010 den Anteil der regenerativen Energieerzeugung verdoppeln, 12 % des gesamten Energieverbrauchs soll dann durch derartige Quellen gedeckt werden.

Auch Wulf sieht daher gute Chancen für die Branche: Der Weltenergiebedarf werde unbestritten steigen, auf der anderen Seite habe die Kernenergie Akzeptanzprobleme, fossile Energieträger wie Kohle seien begrenzt. "Auch wenn sich die Anleger in diesem Jahr wieder mehr für Internet- und Telekommunikationsaktien interessieren sollten, Anlagen in umweltfreundliche Technologien werden sich langfristig auszahlen", ist sich Korczok-Nestorov von Invesco sicher.

Die Umwelttechnik-Branche birgt jedoch auch Risiken. Die Unternehmen sind oft klein und werden mit geringen Umsätzen gehandelt, so dass schon kleinere Kauf- oder Verkaufaufträge für größere Kursschwankungen sorgen. Auf Grund teilweise noch junger Technologien seien technische Risiken nicht ganz auszuschließen, bemerkt Karin Meibeyer, Analystin bei der NordLB. Zudem hingen alternative Energieerzeuger stark von legislativen Rahmenbedingungen ab; aus sich heraus arbeiteten viele noch nicht wirtschaftlich, fügt Analyst Wulf hinzu. In diesem Zusammenhang verweist er auf ein laufendes Verfahren bei der EU, in dem geprüft wird, ob das Stromeinspeisungsgesetz - der Vorgänger des EEG - den Tatbestand der unerlaubten Beihilfe erfüllt. Ein weiterer Knackpunkt: Die Aktien von Umwelttechnik-Anbietern sind verglichen mit Werten der so genannten "Old Economy" relativ teuer, da hinter einer starken Nachfrage nach diesen Werten laut Wulf nur ein vergleichsweise geringes Angebot steht.

"Im Schnitt ist diese Branche auf Basis der erwarteten Gewinne für 2002 ungefähr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 32 bewertet", sagt Wulf. Der Betreiber von Windkraftanlagen Plambeck sei mit 24,7 verhältnismäßig günstig, Vestas mit 55,8 eher teuer. "Die höhere Bewertung halte ich angesichts des Strukturwandels in der Energiepolitik aber für gerechtfertigt", bemerkt Analystin Meibeyer.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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