Ökonom von Weizsäcker erwartet mehr Wettbewerb
Eon erhält Unterstützung für Ruhrgas-Übernahme

Die Düsseldorfer Eon AG hat für die geplante Mehrheitsübernahme der Essener Ruhrgas AG prominenten Beistand erhalten. Nach Ansicht des Kölner Ökonomieprofessors Carl Christian von Weizsäcker bringt die Übernahme gesamtwirtschaftlich gesehen Vorteile.

DÜSSELDORF. Eine Ministererlaubnis für den Deal sei gesamtwirtschaftlich sogar ohne Auflagen gerechtfertigt; sie steigere die Effizienz. Eon hat eine Ministererlaubnis für die Genehmigung beantragt, nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme untersagt hatte. Die Bonner Wettbewerbshüter kritisierten, dass Eon hierdurch eine marktbeherrschende Stellung auf den Strom- und Gasmärkten Deutschlands gewinne.

In seinem Gutachten im Auftrag der Eon kommt der Kölner Wettbewerbsexperte dagegen zum Ergebnis, dass durch die Entflechtung der Aktionärsstruktur der Ruhrgas Konkurrenzkräfte freigesetzt und wichtige Impulse für internationale Investitionen in der Gasbeschaffung ausgelöst werden. Erst nach der Trennung von ihren Ölaktionären BP, Shell und Esso könne die Ruhrgas den Spielraum gewinnen, der nachhaltige internationale Wettbewerbsfähigkeit garantiere. Von Weizsäckers Fazit: Die Fusion Eon/Ruhrgas diene der Wahrnehmung deutscher Interessen bei der Bezugssicherung der Wachstumsenergie Erdgas. Bis 2020 sollen sich Deutschlands Erdgasimporte verdoppeln, heißt es.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt begrüßte Weizsäckers "dynamischen Ansatz", weil der renommierte Ökonom den globalen Aspekt des Wettbewerbs auf den Energiemärkten berücksichtige. Das Kartellamt war bei seiner Prüfung von nationalen und sogar regionalen Märkten ausgegangen.

Die Argumentation des Kölner Professors, von 1989 bis 1998 Vorsitzender der Monopolkommission, besitzt besonderes Gewicht. Das Gutachten liegt sowohl dem Wirtschaftsministerium als auch der Monopolkommission vor, die bis 13. Mai die Konsequenzen des Deals prüft. Am Freitag veranstalten die Kommissare eine Anhörung, von Weizsäcker wird das Gutachtens hier erläutern.

Der Professor, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln, ist überzeugt, dass die Weichen für europaweiten Wettbewerb in der Energieversorgung unwiderruflich gestellt sind. Der relevante Markt könne nicht mehr auf Deutschland begrenzt werden, sagte von Weizsäcker dem Handelsblatt. Durch die Liberalisierung entstehe ein europäischer Gasmarkt und ein europäischer Strommarkt.

Schon die Beurteilung der Wettbewerbseffekte bringe im Saldo ein positives Ergebnis. Die Vermutung sei plausibel, dass die Ölaktionäre der Ruhrgas in Zukunft ein selbstständiges Gasgeschäft in Deutschland aufziehen und damit für intensiveren Wettbewerb sorgen würden. Zudem könne die neue Eon-Ruhrgas eine "Vorwärtsintegration in das internationale Upstream-Geschäft" einleiten, also selbst als ins Erkundungs- und Produktionsgeschäft einsteigen. Es sei unter den heutigen Bedingungen nicht möglich, die Versorgungssicherheit allein durch langfristige Lieferverträge zu erhalten. Die stark risikobehafteten Projekte bei der Erdgasbeschaffung aus weit entfernten Regionen setze Unternehmen voraus, die über eine große Kapitalkraft verfügten.

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