Ökonomen, IT-Dienstleister und die öffentliche Meinung
Überzeugungsarbeit mit langem Atem

Ökonomen und IT-Dienstleister haben ein gemeinsames Problem: die öffentliche Meinung zum Thema Offshoring, also zur Verlagerung von internern IT-Prozessen zu externen, spezialisierten Anbietern im Ausland.

Besonders Greg Mankiw, der Chefökonom des amerikanischen Präsidenten, musste dies vor kurzem erfahren. Nachdem er internationales Outsourcing als positiv für die Wirtschaft bezeichnet hatte, brach ein Sturm der Entrüstung über ihn herein. Die Bush-Administration als programmatischer Job-Killer - nicht nur für die Demokraten ein erstklassiges Thema, sondern auch für die Presse. So zierten die letzte Ausgabe der Zeitschrift Fast Company Passbilder von Amerikanern, deren Arbeitsplatz ins Ausland verlagert wurde. Titelzeile: "Schauen Sie ihnen in die Augen und versuchen Sie ihnen zu erzählen, dass Offshoring langfristig eine gute Sache ist."

Dabei hatte Mankiw lediglich klargestellt, was jeder Student der Volkswirtschaftslehre seit zweihundert Jahren in den ersten Semestern lernt. Internationaler Handel - und nichts anderes als Handel mit Dienstleistungen ist Offshoring - erhöht langfristig den Wohlstand aller Beteiligten, weil sich die Länder gemäß ihrer komparativen Vorteile spezialisieren können.

Nun sind Volkswirte gewohnt, dass niemand auf ihre Argumente hört. Abgehärtet durch Erfahrungen aus der Politikberatung zu emotional beladenen Themen wie Sozial- oder Arbeitsmarktreformen wissen sie auch, dass ökonomische Argumente meist gegen Emotionen oder gesellschaftspolitische Ziele erst einmal den Kürzeren ziehen. Dann muss man die Botschaft eben solange wiederholen und die Marktansprache perfektionieren, bis sie gehört wird.

IT-Dienstleister können daraus nur lernen. Wenn sie den Markt für Outsourcing- und Offshoring-Dienstleistungen in Deutschland entwickeln wollen, müssen sie sich auch in die wirtschaftspolitische Diskussion begeben. Dort gelten aber andere Regeln als beim Verkauf eines IT-Projekts. Es sind keine schnellen und klaren Entscheidungen gefragt, sondern langer Atem und geduldige Überzeugungsarbeit.

Dabei ist ein wesentliches Element guter Überzeugungsarbeit die Betonung der Chancen und nicht der Risiken. Schließlich können von den Möglichkeiten des internationalen Outsourcings auch IT-Dienstleister in Deutschland profitieren - und zwar nicht nur durch Kostensenkungen. Denn warum soll IT-Dienstleistern hier zu Lande nicht gelingen, was viele Maschinenbauer geschafft haben: sich ihre Nische zu suchen und Weltmarktführer zu werden. Schließlich erleichtert das Internet nicht nur das Offshoring von Deutschland aus, also den Import von Dienstleistungen, sondern genauso den Dienstleistungsexport.

Angesagt ist also eine positive Sicht. Deshalb sollten die IT-Dienstleister nicht zu sehr auf die Ökonomen schauen. Denn im Englischen heißt die Zunft aus gutem Grund nur "dismal science" - die trostlose Wissenschaft.

Dr. Thorsten Wichmann ist Geschäftsführer des Forschungs- und Beratungsunternehmens Berlecon Research GmbH .

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